30.11.2019 — Europa / Dänemark
Die Bestattungform des Hügelgrabs war von der Stein- bis in die Eisenzeit in ganz Europa verbreitet, im Mittelmeerraum unter dem Namen _tumulus_. Auch frühe chinesische Kaiser erhielten solche Anlagen, wie das berühmte Grab Qin Shihuangdis mit der Terrakotta-Armee von 210 v.Chr. Hügelgräber sind vermutlich die Vorgänger ägyptischer, chinesischer und altamerikanischer Pyramiden. Allen Hügelgräbern ist gleich, dass der zu Bestattende in der Gesellschaft eine hohe Rolle eingenommen hatte. Zunächst waren es bloß die herrschende Klasse, später auch zunehmend Krieger. Die Hügelgräber sind eines der wichtigsten Zeugnisse der Zeiten, da dort Grabbeigaben und Skelette besonders gut erhalten sind. Da Hügelgräber meist mit Holz gebaut waren, kann man anhand dendrochronologischer Untersuchungen das Alter der Gräber erstaunlich gut bestimmen. Das größte erhaltene frühbronzezeitliche Hügelgrab ist das Fürstengrab von Leubingen von 1942 v.Chr. Hierbei handelt es sich um eine Doppelbestattung mit außergewöhnlichen Beigaben: mehrere Tongefäße, in denen wohl Nahrungsmittel aufbewahrt waren, ein Ambossstein, in Keil aus Serpentin, vier Bronzedolche, die jeweils in eine Himmelsrichtung zeigten, drei Bronzemeißel und Goldgegenstände mit einem Gewicht von 256g. Weitere wichtige Grabhügel in Mitteleuropa sind Vix von 500 v.Chr. mit einem 1,64m hohen verzierten Bronzekelch mit einem Fassungsvermögen von 1100 Litern, Hochdorf von 550 v.Chr. mit einer 2,75m langen bronzenen Sitzbank getragen von acht weiblichen Figuren und einem Prunkwagen mit Speiseservice aus etruskischen Tellern, Schüsseln und Töpfen aus Bronze, und Glauberg von 500 v.Chr. mit einer lebensgroßen Steinfigur eines keltischen Fürsten, dessen 25 Kopien 2018 etwas unvermittelt auf dem Frankfurter Opern- und Rathausplatz aufgestellt wurden. Ob Grabhügel alleine standen oder in Gruppen von zehn und mehr kommt auf die Region und Zeit an. Die Grabhügel sind auch heute noch in der Landschaft zu erkennen und reichen von 1m zu 30m Höhe. Allein in Dänemark sind 11.000 große und 8900 kleine Grabhügel aus unterschiedlichen Zeiten erhalten. Die Tradition der Hügelgräber endete mit der Christianisierung der Wikinger und des Baltikums etwa 1050 n.Chr.