Seite wird geladen …
NACHRICHTENvon Gestern und Heute
← Nachrichten

16.12.2019 — Rumänien / Welt / Deutschland

1Meldungen
0Quellen
3Orte
2 minLesezeit
Meldung 01 von 1

Was ein Mangel an emotionaler Zuwendung beim Menschen bewirken kann, sieht man besonders bei der Beobachtung von Kindern, die einen Teil ihres jungen Lebens in Kinderheimen verbringen mussten. Besonders aufsehenerregend war, als nach dem Ende der Ceauşescu-Diktatur in Rumänien 1989 Kinder aus Waisenhäusern befreit wurden. Vernachlässigung, Misshandlung und Verwahrlosung hatten aus den Kindern Schatten ihrer selbst gemacht. Bilder von sich apathisch hin- und herwiegenden hohläugigen Kindern, die teilnahmslos die gekachelte Wand anstarren gingen um die Welt. Das war ein Extremfall. Doch was in den 1980ern in Rumänien geschah geschieht auch heute noch nach dem selben Bauplan z.B. in Deutschland, wenn Kinder vom frühesten Alter bis in die Volljährigkeit von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht werden. So häufige Wechsel von Bezugspersonen führen zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Gehirn, vergleichbar mit einem untrainierten Muskel. So konnte auch für die rumänischen Waisenkinder, die inzwischen Anfang 30 sind, nachvollzogen werden, dass sie zwar kognitiv, aber nicht emotional aufholen konnten. Die Defizite bleiben unverändert, es bleibt eine emotionale Sprachlosigkeit. Je früher die Vernachlässigung angefangen hat und je länger sie stattfand, desto verheerender sind die Folgen. Man kann nicht pauschal sagen - und das ist sehr wichtig - dass Kinder, die zu einer Bindungsperson eine unsichere Bindung haben, ein weniger leistungsstarkes Gehirn haben. Das anzunehmen wäre fatal, denn die Qualität der Bindungen sind in Wahrheit immer und bei jedem dynamisch.