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04.01.2020 — USA / Iran / Marokko

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Politik- und Islamwissenschaftler Michael Lüders zur aktuellen Situation mit dem Iran "Der Zeitpunkt [der Ermordung Soleimanis] ist zu verstehen vor den letzten Eskalationen, die es gegeben hat im Umfeld der US-amerikanischen Botschaft in Bagdad. Aber der Konflikt hat natürlich eine längere Vorgeschichte: Ausgelöst wurden diese Spannungen durch die völkerrechtswidrige und einseitige Aufhebung des Iran-Aromabkommens durch die USA am 08. Mai 2018. Seither spitzen sich die Verhältnisse zu. Im Kern geht es im Konflikt zwischen USA und Iran darum, dass der Iran das letzte verbliebene Land ist im weiten [muslimisch geprägten] Raum zwischen Marokko und Indonesien, das nicht einer pro-westlichen, pro-amerikanischen Linie folgt, sondern sich eher Richtung Russland und China orientiert. Das mögen die Amerikaner nicht hinnehmen und unter dem Argument, dass der Iran die Sicherheit in der Region gefährde, versucht man nun das Land in die Schranken zu verweisen. Diese Politik des maximalen Drucks der USA ist aber bisher gescheitert, vor allem weil die Amerikaner den großen Fehler begehen, zwar den Iran unter großen Druck zu setzen, aber kein konkreten Verhandlungsangebot unterbreiten. Wir wissen nicht genau, was die iranische Führung in den nächsten Tagen beschließen wird. Es wird jetzt ersteinmal eine dreitägige Staatstrauer geben. Es ist ganz klar, dass der Iran diese Ermordung rächen wird. In welcher Form, das muss man abwarten. Direkte Angriffe auf amerikanische Einrichtungen sind wahrscheinlich nicht die erste Priorität aus Sorge vor den Gegenreaktionen aus den USA. Aber der Iran hat unendlich viele Möglichkeiten, in der Region militärisch einzugreifen und das wird er im Zweifel auch tun. Die Frage ist: Was machen die Amerikaner dann? Der übernächste Schritt ist der eigentlich entscheidende: Will Trump den Showdown oder nimmt er die Situation als quitt wahr? Einen konventionellen Krieg kann der Iran zwar gegen die USA nicht gewinnen, aber er hat die Möglichkeit, die gesamte Region östlich des Suez-Kanals bis hin zur indischen Grenze in Unruhe zu stürzen und die ganze Region würde dann auch in Brand aufgehen. Ob wir auf einen neuen Golfkrieg zusteuern hängt ab von den politischen Entscheidungen in den nächsten Tagen."