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17.04.2022 — Nigeria / Deutschland

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Etwas anders betrachten das spätere Analysen. Dem Historiker Lasse Heerten zufolge, waren die Bilder von Biafra-Kindern nur eine weitere Eskalationsstufe einer bereits zuvor effektiven Propaganda aus Biafra. Schon vor den Bildern hätte biafranische Propaganda demnach erfolgreich das Framing des Biafra-Krieges als einen „Völkermord“ verbreitet. Ein Framing, das durch ein internationales Beobachterteam in einem Bericht mit dem eleganten Titel „No Genocide“ Ende 1968 entkräftet worden sei. Dieser Bericht kann laut der britischen Genozid-Forscherin Karen Smith als zweifelhaft betrachtet werden, da er „can be linked to protecting the interests of outside states not to intervene or change policy“. Gemeint ist damit die britische Regierung, die nicht von ihrer Position ablassen wollte, Waffen an Nigeria exportieren zu können. Nichtsdestotrotz fand nach der Veröffentlichung des Berichts vorerst ein Ende der „Völkermord“-geframeten Berichterstattung statt. Der Kampf um die Begrifflichkeit des „Völkermords“ macht es heute schwer, die Folgen der nigerianischen Blockade in dem Krieg akkurat zu beschreiben. Es ist unklar, ob die nigerianische Regierung wirklich die Politik des Völkermords verfolgte. Rhetorisch tat sie das möglicherweise nicht mit der Absicht, den Hungertod herbeizuführen, sondern ihn „nur“ spürbar zu machen. Dafür spricht auch, dass nicht nur Igbo unter der nigerianischen Strategie zu leiden hatten, sondern auch zahlreiche andere Minderheiten im Südwesten Nigerias. Nichtsdestotrotz formulierte sie hierin eine für die juristische Aufarbeitung wichtige Absicht. Ich kann nur erneut betonen, dass sich hier laienhafte Argumente mit Argumenten mit propagandistischen Zwecken vermischen – ein unabhängiges Urteil gab es nie. Interessant ist nun, wie sich die Zivilgesellschaft in den Monaten von 1967 bis 1968 verhalten hat, in denen der biafranischen Propaganda zum Völkermord fast bedingungslos Glaube geschenkt wurde. Morgen werde ich die kirchlichen und sozialen Hilfslieferungen darstellen und im Laufe der nächsten Tage stelle ich den Biafra-Diskurs in Deutschland zu dieser Zeit vor.

Quellen

  1. Zeitgeschichte Digitalzeitgeschichte-digital.de
    https://zeitgeschichte-digital.de/doks/frontdoor/deliver/index/docId/1645/file/ZF_3_2011_393_413_Heerten.pdf
  2. Zeitgeschichte Digitalzeitgeschichte-digital.de
    https://zeitgeschichte-digital.de/doks/frontdoor/deliver/index/docId/1645/file/ZF_3_2011_393_413_Heerten.pdf
  3. Sci Hub · Hkvisasci-hub.hkvisa.net
    https://sci-hub.hkvisa.net/10.1080/14623528.2014.936703
  4. Nigerianjournalsonlinewww.nigerianjournalsonline.com
    https://www.nigerianjournalsonline.com/index.php/ijaas/article/viewFile/1787/1746
  5. Encompass · Eku · Eduencompass.eku.edu
    https://encompass.eku.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1017&context=jora