10.01.2020
Nicht vergessen! Nach 1945 machten sich die Unternehmen auf die Suche nach neuen Konzepten, wie man die Arbeitsmoral soweit ankurbeln könnte, dass der Eigengewinn maximal ist. Sie werden in der Tiefenpsychologie fündig. Zeitgleich mit der sich gesellschaftlich etablierenden Psychoanalyse werden jetzt therapeutische Vorgehensweisen auch in die Chefetage gebracht. Die neue Idee ist, dass die Arbeitnehmer wahrscheinlich sehr viele persönliche Konflikte in die Arbeit bringen. Die Organisationswissenschaftler der Vorkriegszeit werden ersetzt durch betriebliche Sozialarbeiter, die diese persönlichen Konflikte aus der Arbeitswelt eliminieren sollen. Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände informiert: "Menschliche Zuwendung durch ein Gespräch ist ein Grundbedürfnis des Menschen, auch im Betrieb. Das erfordert Aufmerksamkeit und kostet kein Geld." Das Interesse des Betriebsleiters ist wieder sonnenklar: möglichst wenig bezahlen für möglichst viel Leistung. Gleichzeitig vollzieht sich ein weiterer Wandel: Die Verantwortungslogik ändert sich! Ab den 1950ern wird stärker vom Einzelnen erwartet, dass er sich um sein Wohlergehen kümmert und als psychisch ausgeglichener Mensch in die Arbeit geht. Wenn es jetzt am Arbeitsplatz zu Problemen kommt, ist nicht mehr das Unternehmen verantwortlich, sondern der Angestellte.