12.02.2020 — Syrien / Iran
Nicht vergessen! Durch die Zentralisierung und die soziale Bereitstellung von Arbeitermassen konnten in Uruk Großarchitektur betrieben werden. Die Finanzierung erfolgte durch Einnahmen aus dem Fernhandel. Sie ist ein besonders auffälliger Beweis für die Verstädterung Mesopotamiens. Damals wie heute sprechen wir von diesen Gebäuden als "Tempeln", auch wenn sie nicht oder nicht gänzlich religiösen Nutzens waren. Überhaupt wurde zwischen religiösen und nicht-religiösen Orten kaum unterschieden. Die in den Ruinen gefundenen Plastiken sind Zeugnisse von Macht, Einfluss und in Ansätzen auch schon Individualität. Es ist eher so, dass die ältesten Darstellungen von Menschen typisiert und nicht individualisiert sind. Das spricht für eine starke Ideologie des unerwähnenswerten Kleinen (Mensch) im großen Ganzen (Kosmos). So wurde auch das Phänomen der Stadt als Symbol für die Vergegenständlichung der Gesellschaft begriffen. Die gesamte Stadt war also ein Kultplatz - eine Weltanschauung, nach der Säkularisierung absolut undenkbar ist. Das entwickelte sich schließlich zu einer Idee von Stadtgöttern, die unzertrennlich mit ihrer Stadt verbunden sind. Diese Ideologie wurde exportiert und hielt noch Jahrtausende an, wie mit Athen und Athena oder Frankfurt am Main und dem Apostel Bartholomäus. Erst in den letzten 100 Jahren geriet diese Tradition in Vergessenheit. Neben der Stadt wurde vielen Gegenständen eine Wesenhaftigkeit zugeschrieben. Die Starke Ideologie Uruks kann als Exportschlager bezeichnet werden. Bis nach Syrien und in den Iran sind Schriftsystem, Bilder, Keramik und Technik beinahe identisch. Manche Historiker sprechen sogar von einer Kolonisierung des Nahen Ostens.