23.02.2020 — USA / Europa / Welt
Nicht vergessen! Mit der Turbo-Bekanntheit der Supermodels in den 1990ern kamen auch positive Effekte einher. Dadurch, dass sie in den Medien sehr präsent wurden, wurden ihre Namen, Personen und sogar ihre Stimmen bekannt. Das ist der Paradigmenwechsel, von dem ich am Anfang sprach. Es war ein schleichender Prozess, aber dass die Supermodels aus dem rein visuellem Medium der Mode heraustreten konnten und von sich aus eine Stimme hatten... das ist ein Paradigmenwechsel. Die Ellbogenmentalität existierte natürlich auch schon zuvor, aber in einem viel kleinerem Maßstab. Jetzt konkurrieren nicht mehr Vogue und ELLE um die Models, sondern die Models setzten ELLE solange zu, bis sie von Vogue anerkannt werden mussten - zum Beispiel. Die Models machten sich nun selber zum Objekt und wurden somit zum Subjekt - Selbstausbeutung. Der Modeindustrie gefiel das nicht und setzte ihrerseits Waffen ein. Aus dem Stereotyp, Models seien "Dummerchen" wandelte es sich dazu, sie seien dumme anti-soziale Zicken. Dieses Bild ist bis heute in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitet und dient dazu, das harte Konkurrenzdenken einiger Supermodels zu diffamieren, obwohl es genauso in männlicher Form in jeder anderen Industrie vorkommt. Auf dem Gipfel des Erfolgs können es sich die Pop-Models es leisten, sich breiter aufzustellen: Naomi Campbell schreibt ein Buch, singt und schauspielert, Claudia Schiffer und Cindy Crawford tun es ihr gleich. Im neuen Fernsehsender MTV sind ehemalige Models auch als Moderatorinen gerne gesehen. Gemeinsam gründen sie die Restaurant-Kette Fashion-Café. In den 1990ern in den USA gehörten Model-Wettbewerbe die besten Sendezeiten im TV, was sich auch auf Europa auswirkte. In diese Version einer glamourösen Welt wurden die meisten von uns hineingeboren und mit ihr wuchsen wir auf.