24.02.2020 — Frankreich
Nicht vergessen! Bei dem immensen Erfolg der Supermodels musste irgendwann Übersättigung eintreten. Es ist nicht mehr schön, einen gesunden Körper zu haben. Dafür steht Kate Moss mit ihrer Magerkeit und ihren Augenringen, immerzu am Rauchen. Begleitet von Nirvanas "Come As You Are" findet sich die Jugend in dieser Selbsteinstellung wieder. Das Subjekt Kate Moss schafft den Panthergang der Laufstege ab und nutzt ihn dafür als nüchternen Trottoir. Der noch immer extrem einflussreiche Lagerfeld engagiert fortan ausdruckslose magere Gestalten, deren Körper Knochensäcken ähneln. Neu im Trend ist auch die strenge Anti-Fashion der Modeschöpfer Martin Margiela und Helmut Lang. Die Suche nach neuen Körpern führt auch in die Minderjährigkeit, wie zu Audrey Marnay, die mit 15 Jahren zum ersten mal für Yohji Yamamoto lief. Es ist der Wechsel von einem Extrem zum nächsten, von Sinnlichkeit und Stärke zu Verletzlichkeit und Kälte. Es ist eine Generation, die ihre Sexualität im Zeitalter von AIDS entdeckte. Das lässt gar nichts anderes zu, als das Morbide anzuerkennen. Doch kaum waren die mageren Körper etabliert kam Laetitia Casta mit ihrem erkennbaren Busen als Braut von Yves Saint Laurent den Laufsteg entlanggepanthert. Die sachliche Sexualität entfaltete sich von Neuem. Bei der Herrenfußball-WM 1998 in Frankreich erlebte sie ihren Höhepunkt als weiblicher Pendant zu den Fußballstars. Die Übersättigung der Modeindustrie führte dazu, dass der Wandel nicht mehr organisch, die Evolution nicht mehr nachvollziehbar war.