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16.03.2024 — USA / Chile / Argentinien

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Vielmehr halte ich den historischen Vorlauf der putschierenden Militärs für einen erheblichen Faktor, um die Putschserie der 1970er und der 2020er zu unterscheiden. Damit meine ich nicht unbedingt die geopolitischen Umstände „zwischen Ost und West“, sondern die komplett unterschiedliche Situation des Militärs in den jeweils drei prominentesten Putsch-Staaten Chile, Argentinien und Brasilien, sowie Mali, Burkina Faso und Niger (oder Guinea). Das Militär in den lateinamerikanischen Staaten war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts teilweise bereits seit mehreren Generation eigentlich obsolet, weil es keine Kriege und somit keine Kriegseinsätze mehr gab. Nach einem kriegerischen 19. Jahrhundert, in dem die frisch unabhängig gewordenen Staaten ihre Grenzen mehrfach verschoben oder sich Regierungen gegenseitig wegen politischen Verwerfungen angriffen, war es seit den 1910ern zu einer Ruhe gekommen, die nur durch den brutalen Chacokrieg zwischen Bolivien und Paraguay ab 1932 und dem kurzen Krieg zwischen Ecuador und Peru im Juli 1941 unterbrochen, sowie durch den permanenten, latenten Kriegszustand in Kolumbien von 1948 bis heute getrübt wurde. Das ist angesichts des zeitlichen Rahmens zwischen 1910 und heute eine historische Phase relativen Friedens, die in der Weltgeschichte unvergleichlich ist. Für die Militärs in der Region stellte dieser Frieden eine existenzielle Bedrohung dar, da sie kaum gebraucht wurden: Ich argumentiere, dass die Putsch-Generäle Lateinamerikas eine gute Ausbildung hatten und ständiger Weiterbildung ausgesetzt waren, ihre Erfahrung aber nie erproben konnten, sodass sie die Sinnhaftigkeit ihrer Position anders generieren mussten. Dafür nutzten sie, wie der Argentinische Militärpräsident Videla ein ähnliches Vokabular, wie es heute noch verwendet wird: „Ein Terrorist ist nicht einfach jemand mit einem Gewehr oder einer Bombe, sondern auch jemand, der Gedankengut verbreitet, das sich gegen die westliche und christliche Zivilisation richtet“. Die Desintegration der eigentlichen Wortbedeutung von „Terror“ wird bei einer weiteren Aussage Videlas deutlich, mit der er das „Verschwindenlassen“ von schwangeren Frauen zu legitimieren versuchte: „Die Frauen, die ihre Kinder zur Welt brachten und die ich als Mütter respektiere, waren Militante, die an der Terrormaschine beteiligt waren. Viele benutzten ihre ungeborenen Kinder als menschliche Schutzschilde.“ Die aktuelle argentinische Vize-Präsidentin, Victoria Villarruel, gilt als radikale Verfechterin der Militärregierung Videla. Videla erfand so selber ein bedrohliches Szenario und bediente sich bei den von den USA erfundenen Bedrohungs-Szenarien der Sowjetunion als genial-zerstörerischen globalen Terrorismus-Förderers, um selber radikale Maßnahmen, wie eine militärische Machtergreifung durchzuführen und Paranoia zu verbreiten. Während bei den prominenten Putschs in Lateinamerika also erst eine mehr oder weniger akute Gefahr konstruiert werden musste, sind die prominenten Putschs in Westafrika das Ergebnis davon, dass Teile des Militärs fahrlässig einer Gefahr ausgesetzt waren. Die Militärregierungen Lateinamerikas begründeten ihre Putschs und ihre repressive Politik mit dem Kampf gegen den Terror der „Roten Gefahr“, und ließen sich dabei oft genug von der CIA oder der US-Botschaft in den jeweiligen Ländern leiten oder helfen, aber der tatsächliche Ursprung dieser Putschs liegt meiner Meinung nach darin, dass weder Videla, noch Pinochet, noch die anderen lateinamerikanischen Militärs zu ihren Lebzeiten eine sinnvolle Aufgabe gehabt hatten, außer die Macht zu übernehmen und sie zu halten.

Quellen

  1. De · Wikipediade.wikipedia.org
    https://de.wikipedia.org/wiki/Chacokrieg
  2. Independent · Cowww.independent.co.uk
    https://www.independent.co.uk/news/world/americas/former-argentine-dictator-jorge-rafael-videla-dies-in-prison-age-87-8621459.html
  3. Web · Telegramweb.telegram.org
    https://web.telegram.org/a/https://de.wikipedia.org/wiki/Victoria_Villarruel