04.11.2019 — Europa
Die Bevölkerung Europas ist seit der Altsteinzeit mit seinen Höhlenmalern keineswegs gleich geblieben. 27.000ya (ya = years ago) lebten schätzungsweise nur 1000 Individuen des _Homo sapiens_ im eiszeitlichen Europa. Mittels der Analyse von DNA der Zähne und Innenohren-Knochen die Genome unserer Vorfahren zu sequenzieren, ist seit 2017 die Herkunft tausender prähistorischer Menschen analysiert worden. Von Haar- und Augenfarbe bis zu Laktoseintoleranz können die Forscher alles daran ablesen. Das Ergebnis ist verblüffend: Es hat zum Ende der Kaltzeit einen regelrechten Bevölkerungsaustausch gegeben. 3000 Jahre, nachdem im Nahen Osten die Landwirtschaft erfunden wurde und sie sich seitdem nur zögerlich ausgebreitet hatte, war ab 6800 v.Chr. eine plötzliche Verbreitung des Ackerbaus in ganz Europa zu verzeichnen, der um 4000 v.Chr. selbst die skandinavische Halbinsel erreichte. Das nennt man die "Neolithische Revolution". Früher nahm man an, dass die damaligen Europäer die Landwirtschaft einfach übernommen hätten, doch tatsächlich spricht die moderne Forschung eher dafür, dass umherwandernde anatolische Bauern selber die Landwirtschaft nach Europa brachten und dass die ansässigen Jäger und Sammler von diesem Fortschritt keinen Gebrauch machten. Sie und die Neuankömmlinge betrieben keinen Austausch von Werkzeugen und Genen - die Angst vor dem Fremdem hat Tradition. Stattdessen starben die Ureinwohner wohl in Teilen aus, da die neolithischen Bauern die Pest mitgebracht hatten. Die anatolischen Bauern verbreiteten ihre Lebensweise und ihre Gene, sodass heute rund 40% der europäischen Gene mit den Genen jener übereinstimmen, die die Landwirtschaft erfunden haben.