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10.08.2020 — Deutschland

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Nicht vergessen! (Bayern-Reise 4) Den Städten der frühen Neuzeit ging es um eine generationsübergreifende Nutzung des Waldes, also einen nachhaltigen Umgang. Dahingehende Regeln zeugen vom fortwährenden Konflikt zwischen den breiten Massen für die eigene Versorgung und der Obrigkeit, die das Holz für ihre Schlösser und den Export schlagen ließ. In Nürnberg war so viel Kapital und Wissen gebündelt, dass die regenerative Forstwirtschaft gegründet werden konnte. 1368 gilt der nürnberger Ratsherr und Kaufmann Peter Strohmer als der erste, der Nadelbäume pflanzt. Der hohe Bedarf und Weitsicht für das Bestehen der Kaufmannsdynastie Strohmer veranlassten ihn dazu. Strohmer war Großunternehmer in der energiehungrigen Montanindustrie, sein Imperium erstreckte sich von der Oberpfalz bis in die Karpaten. Die Erzschmelzen standen jedoch an der Stegnitz bei Nürnberg, von wo sie sich mit Holz versorgten. Der Stadtwald mutierte ab dem Beginn des Spätmittelalters deutschlandweit einzig zum Holzlieferanten. Zuvor war der Wald für viele dutzende Handwerke genutzt worden, von der Seilerei bis hin zur Bäckerei. Die Imkerei war insbesondere für Nürnberg berühmt, die die Basis für die Lebkuchenindustrie wurde. Tiere und Anwohner wurden durch die systematische Forstwirtschaft aus dem Wald gedrängt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verstellten Landvermesser Bayern und zogen Grenzen zwischen Wald und Weide. In der sogenannten "Forst-Purifikation" wurden die Brennholzgewinnung und Waldweidung zu Nebennutzungen erklärt und verbannt. Aus mehrgliedrigen, luftigen Wäldern wurden dichte Forste aus schnellwüchsigen Fichten gemacht. Gerade die Ärmsten der Armen (in Märchen oft als Hexen dargestellt) verloren so ihre Lebensgrundlage. Zugleich wurden 1806 mit Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation die Waldgebiete aufgeteilt in Privatwald, Kommunalwald und Staatswald. Hier begann der grundlegende Unterschied zwischen dem fränkischen und dem alt-bayerischen Wald. Würzburg, Iphofen, Aschaffenburg, Schweinfurt, Lohr und weitere fränkische Städte führten auf der einen Seite den Wald in die politische Gemeinde über. Die Verteilung des Kommunalwalds in Franken hat sich inzwischen modernisiert, sodass es für die Bürger einfacher ist, im Wald zu wirtschaften. Hier hat man sich die "natürliche Beziehung" zum Nutzwald beibehalten. In Südbayern wurde auf der anderen Seite der Wald 1806 privatisiert und bald verstaatlicht, sodass der Wald hier als eine Art Freizeitbühne zum jagen, picknicken, spazieren und joggen genutzt wird. Verallgemeinert ist der Bayer dem Wald wegen der Besitzverhältnisse also entfremdeter, als der Franke, wobei beide die Wälder lieben. Solche Vergleiche lassen sich in ganz Deutschland ziehen und machen u.a. verständlich, warum manche Menschen sich dem Wald näher fühlen als andere.