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11.08.2020 — Frankreich / Deutschland / Malta

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Nicht vergessen! (Bayern-Reise 5) Krieg und Pest hatten Erlangen im 17. Jahrhundert beinahe entvölkert, gerettet wurde die Stadt von französischen Hugenotten. Franken war in den damaligen Zeiten der Religionsintoleranz lutherisch, bot sich aber als Fluchtpunkt für die calvinistischen Hugenotten eher an, als die katholischen Fürstentümer. Ludwig XIV. hatte 1685 das Toleranz-Edikt von Nantes aufgehoben, um Frankreich zu einem flächendeckend katholischen Staat zu machen. 40.000 Hugenotten verließen ihre Heimat gen Deutschland, wo sie von den absolutistischen Herrschern dort untergebracht wurden, wo der Tod in den Jahren zuvor besonders gewütet hatte. 1686 trafen die ersten hundert Hugenotten in Erlangen ein, das damals noch gerade einmal 500 Einwohner hatte. Obwohl sie eine andere Kultur hatten und eine andere Sprache sprachen, sollten sie zwangsweise eingebürgert werden. Die Religionsflüchtlinge galten den fränkischen Markgrafen als so wertvoll, da in ihren calvinistischen Glaubensregeln das Streben nach wirtschaftlichen Profit verankert war, dass ein Wettbewerb zwischen den protestantischen Fürsten entbrannte, wer die meisten Handwerker ansiedeln konnte. Erlangen gewann viele für sich mit großzügigen Fleisch-Spenden, Befreiung vom Wehrdienst, Zugang zur Amtswürde, einer Hugenottenkirche, Steuerbefreiung und der Aussicht, in Neubauten umziehen zu können. 150 sogenannte Idealstädte mit exakter Symmetrie entstanden im Absolutismus europaweit von Moskau bis Malta, so auch in Erlangen. 1687 waren die ersten 50 Häuser der Neustadt fertig (etwa 30 Bewohner auf 120 Quadratmeter). In ihr konnten sich hugenottische Gewerbe ansiedeln, wie die Strumpfwirkerei, Hutmacherei, Perückenknüpferei und Weißgerberei. 1699 lebten in der aufstrebenden Stadt 1000 Hugenotten und 300 Deutsche. In dieser Zeit wurde der Bau des Schlosses begonnen, der parallel zum Neustadtbau stattfand und die sich gegenseitig befeuerten. Insgesamt galt Erlangen im 17. Jahrhundert als eine der schönsten Städte Deutschlands. 1720 waren die Deutschen gegenüber den Franzosen wieder in der Mehrheit und sie wurden bis 1750 fast vollständig assimiliert. 1812 wurde in der Hugenottenkirche das letzte mal französisch gepredigt. Kulinarische Begriffe blieben: Bouillon, Püree, Roulade, Filet und Omlette. Der Landwirtschaft brachten die Hugenotten außerdem neue Ackerfrüchte mit, die heute in der deutschen Küche unverzichtbar wären: Kartoffel, Blumenkohl, Erbsen, Schwarzbohnen, aber auch das Treibhaus. Erlangen erlebte seine Blütezeit um 1800, als es das Exportzentrum des Markgraftums wurde und pro Jahr beispielsweise 420.000 Paar Strümpfe, 120.000 Paar Handschuhe und 80.000 Hüte hergestellt wurden wurden. In diesen Jahren blühte auch das Brauereiwesen mit seinen 300 Wirtshäusern, die die Fabrikarbeiter und Studenten betäubten. Im 19. Jahrhundert wurde des Absolutismus verabschiedet und die Idealstadt Erlangen wurde unbeliebt. Die damalige "Flüchtlingsarchitektur" des Barock fiel bis in die 1960er kurzlebigen Neubauten zum Opfer, bis Bayern in den 1970ern Denkmalschutz in der Landesverfassung verankerte. Auch wurde die Innenstadt verkehrsberuhigt, sodass Erlangen heute wieder als eine der schönsten Städte Deutschlands gilt.