16.08.2020 — Ruanda
Nicht vergessen! (Bayern-Reise 10) Im Nürnberger Justizpalast fanden die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse statt, dort wurden die Urteile verkündet. Hunderte von Sitzungen wurden 1945/46 bis zum Tag der Urteile gegen die 23 Männer (21 Anwesende, der verschwundene Bormann, sowie Hitler) abgehalten. Der gesamte Prozess ist auf Tonband aufgenommen und von zahlreichen Radio-Kommentatoren kommentiert. Dadurch entstand ein beeindruckendes Zeitdokument, das auch die internationalen Reaktionen auf die Urteile beinhaltet. Dieses Dokument besteht für die Öffentlichkeit, denn für sie fand das Kriegsverbrechertribunal statt. Göring wird zum Tod durch den Strang verurteilt. Heß wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Von Ribbentropp wird zum Tod durch den Strang verurteilt. Keitel wird zum Tod durch den Strang verurteilt. Diese Urteile in Berufung auf das Menschenrecht, denn damals gab es kein Kriegsstrafrecht, stellen die Nürnberger Prinzipien. Im Eingangsplädoyer des französischen Richters rief der zu Moral auf, er ging wohl davon aus, dass es nach Auschwitz kein zweites geben würde und beendete den Prozess wohl mit der Ansicht, es würde sich bei den Nürnberger Prozessen um ein einmaliges Ereignis in der Weltgeschichte handeln. Andere Richter sprachen direkte Warnungen an die Machthaber der Nationen aus. Tatsächlich ruhten die Nürnberger Prinzipien lange Zeit nach 1946 bis in die 1990er Jahre, als zum ersten mal wieder die zwischenmenschliche Brutalität gekannte Ausmaße annahm: in den Jugoslawien-Kriegen und in Ruanda. Auf Basis der nürnberger Prinzipien, die keine Verurteilungsmaschinerie sind, wurde 1998 auch der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag gegründet. Die Nürnberger Urteile vor der Geschichte und Den Haag heute erheben einen gewaltigen Anspruch der Rechtsprechung, der in manchen Fällen einer Gerechtsprechung sehr nahe kommt und wenn man zu einem der Urteile gefragt wird, bietet es sich an, ihnen positiv gegenüber Stellung zu beziehen. Urteile sind eindeutig, solche mit schwerwiegender Reichweite gewichtiger. Das stellt die Problematik auf, nicht sich ihnen entgegenzustellen, sondern ihnen mit einem "Ich weiß nicht" zu begegnen. Ich weiß nicht, ob es gerecht ist, Massenmörder mit dem Tod zu bestrafen. Ist es ein zu lasches Urteil in Anbetracht der Tat? Ist es ein zu strenges Urteil in Anbetracht der Menschlichkeit, die jedem Menschen innewohnt?