25.08.2020
Nicht vergessen! (Bayern-Reise 16) 1990 wurde wenige Meter von einer höllisch lauten A9-Unterführung für Fußgänger entfernt eine bedeutende archäologische Entdeckung gemacht. Unter dem Humus fand man einen Grabhügel mit einem Schildbuckel und Eisenteilen aus dem Frühmittelalter. Der junge Mann, der neben der Siedlung seiner Gruppe oder seines Stammes beerdigt wurde hatte als germanischer Offizier in Diensten des römischen Militärs eine steile Karriere gemacht. Er lebte etwa von 420 bis 450 nach Christus. Heute gilt er als der erste Baiuware, als der erste Bayer. Als wichtigstes Indiz dafür gilt eine Keramikschale, die von einer Gruppe Germanen gefertigt worden ist, die früher im Süden von Böhmen gelebt hat. In einer Zeit spärlicher Schriftzeugnisse ist das ein Sensationsfund, da so zum ersten Mal erklärt werden konnte, woher die frühen Bayern wirklich stammen. Im 4. und 5. Jahrhundert gesellten sich an der A9 im Zuge der Völkerwanderungen Germanenstämme zu der romanischen Bevölkerung in den Grenzen des ehemaligen Römischen Reiches. Man sollte sich diese Völkerwanderung allerdings nicht als eine vielleicht a-politische Wanderschaft von Menschen vorstellen, die nur vor widrigen Umständen fliehen. Den Beginn der Völkerwanderung stellt nämlich eine Entscheidung der römischen Militärpolitik dar, germanische Söldner anzuheuern. Die sammelten sich in größer Menge im schwächelnden Römischen Reich und wurden vielerorts zur mächtigsten militärischen Macht und konnten so Siedlungsraum erzwingen. Die Baiuwaren waren die letzten Germanen, die sich dort niederließen. Sie nahmen den Weg des Bernsteins von Norden nach Süden.