03.09.2020
Nicht vergessen! (Bayern-Reise 20) Das Donaumoos zwischen Ingolstadt und Neuburg ist das größte zusammenhängende Niedermoor Süddeutschlands. Es entstand zu Ende der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren, als sich eine großen Mulde an der Donau langsam mit Wasser füllte. Organisches Material bildete im Laufe der Zeit dicke Schichten und verwandelte sich zu Torf, das mancherorts 10 Meter dick ist. Jahrhunderte lang lebten die Menschen hier in bitterster Armut. Heute bestimmen Ackerbau, Seen und Feuchtwiesen und 400km Entwässerungsgräben das Landschaftsbild. Bis vor 200 Jahren war das Donaumoos fast reine Wildnis und regte die Fantasie der Menschen in seiner Umgebung an. Zunächst wurden Flüchtlinge und Häftlinge in dem Feuchtgebiet nach dem Motto "Der ersten Generation der Tod, der zweiten die Not, der dritten das Brot" angesiedelt. Damit sollte den Hungersnöten entgegengewirkt werden, die im späten 18. Jahrhundert noch akut waren. 1790 wurde für die Urbarmachung gar eine Aktiengesellschaft gegründet, um die Finanzierung zu sichern. Siedler aus ganz Bayern kamen in die neu angelegten Straßendörfer in Hoffnung auf ein besseres Leben. Diese Kolonisten verarmten in horrenden Schulden, die sie zum Aufbau ihrer neuen Moos-Kolonien aufgenommen hatten. Denn die Landwirtschaft konnte schwer Fuß fassen, da die Mineralien für einen diversen Gemüse- und Getreideanbau fehlten. Die sozialen Spannungen nahmen zu, die Kriminalität stieg an. In den 1870er Jahren zogen die Räuber Gump und Gent mordend durch die Gegend. Und in den 1960ern überfiel "der Schöne Theo" schwerbewaffnet Mitbürger im Umland und versuchte häufig spektakuläre Gefängnisausbrüche. Erst durch das Ausbringen von Düngemitteln und der Zucht moos-kompatibler Feldfrüchte entfloh das Moos der Armut. Seitdem hat das Ökosystem Moor einige gewaltige Einschnitte erlebt: Entwässerung, Torfabbau und Bodenbewirtschaftung. Dadurch steigt die Hochwassergefahr durch Moorabsackung und der Ausstoß klimaschädlicher Gase. So werden 30t CO2 pro Jahr und Hektar emittiert, was eine erhebliche Quelle für CO2-Gase in Bayern darstellt. Im Jahr 2000 wurden wegen zunehmender Hochwasser das Donaumoos-Entwicklungsprojekt gestartet, das die verschiedensten Interessen an dem Moos - Hochwasserschutz, Besiedlung, Landwirtschaft und Artenschutz - auf einen Konsens bringen sollte. Doch die Projekte scheiterten an den zu vielen Interessen, sodass es wieder zu einzelnen Sanierungsversuchen kam, wie die teilweise Wiederbenässung und Ansiedlung moor-kompatiblen Viehs. Landwirtschaftlich muss die Grünlandbewirtschaftung für Vieh die Zukunft darstellen, da sie allein das Moos und damit sich selbst nicht maßgeblich schadet.