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05.04.2020 — Welt / Argentinien / Schweiz

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Nicht vergessen! Über den wasserreichsten Fluss der Welt führt keine Brücke. Der Amazonas ist mit 6400km zwar 250km kürzer als der Nil, dafür ist sein Einzugsgebiet doppelt und die Fließmenge 100× so groß. Das Einzugsgebiet bezeichnet den geographischen Raum, in dem Flüsse und Bäche quellen, deren Wasser irgendwann im Amazonas fließen wird. Der Amazonas bezieht sein Wasser aus einem Gebiet, doppelt so groß wie das größte Nachbarland Argentinien, oder wie der Europäische Kontinent ohne den russischen Anteil - rund 6.000.000 km². So groß ist das Amazonas-Becken samt seinen tropischen Regenwäldern. Wenn der Amazonas in den Atlantik abfließt, pumpt er sekündlich 206.000 Liter Süßwasser in die raue See, das sich auf Kilometer weit verbreitet. Das ist etwa das 5-fache des Großen Saales der Elbphilharmonie in Hamburg - pro Sekunde. Als die Portugiesen Anfang des 16. Jahrhunderts die Ostküste Südamerikas erkundeten, brachte für sie die mit kleinen Karavellen fast unbezwingbare Amazonasmündung den endgültigen Beweis, es mit einem riesigen Kontinent zu tun zu haben, da nur ein Kontinent von gewaltiger Größe so einen Strom erzeugen könnte. Mit Marajó findet sich auch die größte Flussinsel der Welt im Amazonas. Sie ist so groß wie die Schweiz. Zurück zu den Brücken. Inzwischen sollte der eine Grund für die Abwesenheit der Brücken ersichtlich geworden sein: Der Amazonas ist zu breit! In besiedeltem Gebiet rangiert die Breite von 2km, 5km über 10km bis hin zu 50km und 150km, und das Amazonas-Delta ist abschließend 320km lang. Da wären wir auch schon beim zweiten, viel wichtigerem Grund: Die Brücken würden ins nirgendwo führen. Zwar hat die größte Stadt am Amazonas, Manaus, eine beachtliche Einwohnerzahl von 1,8 Millionen, doch sie liegt ausschließlich auf der Nordseite des Flusses. Südlich davon erstreckt sich über tausende von Kilometern Menschenleere (östlich, südlich und nördlich übrigens auch, aber dahin gibt es eine Straße). Das macht Manaus zur isoliertesten Millionenstadt der Welt. Auch die anderen Städte am Amazonas und seinen Nebenflüssen sehen keine Notwendigkeit, eine Brücke zu bauen. Stattdessen ist das Boot immer noch das Verkehrsmittel der Wahl.