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05.10.2020 — USA / Lateinamerika / Argentinien

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Kirchnerismus 2003 wurde Néstor Cristina Fernández de Kirchner zum neuen Präsidenten des in Brand geratenen Argentiniens gewählt. Unter ihm setzte sich der harte Kurs gegen Internationaler Währungsfonds und Weltbank fort und erst ab 2005 begann die Rückzahlung der Schuldenlast im Zuge des Rohstoffbooms (Agrar und Energie), von dem auch die argentinische Wirtschaft profitierte. Zudem wurde der Wert des Peso um 300% abgesenkt, wodurch Güter wieder erschwingliche Preise bekamen. Die staatliche Subventionierung der wichtigsten Exportwaren, die von multinationalen Konzernen produziert wurden, wurde durch Förderungen für die Industrie ersetzt. Eine größere Sensibilität für soziale Belange verbesserte die Lebensbedingungen der Bevölkerung. 2007 wurde seine Frau Christina Fernández de Kirchner zur Präsidentin gewählt. Sie führte die Politik Kirchners fort und gründete somit den Kirchnerismus als linksperonistische Antwort auf den neoliberalen Neo-Peronismus, aber auch auf das Parteisystem des 20. Jahrhunderts. Denn ihr Vize-Präsident war kein Peronist. Damit war die Gründung des Kirchnerismus auch eine Absage an den Populismus der Neo-Peronisten, sowie den Autoritarismus der Militärs. Trotzdem steht der Kirchnerismus in der Tradition des Klassischen Peronismus: politische und wirtschaftliche Souveränität, Kapitalismus mit starker Staatsbeteiligung, sozialer Aufbau, Stärkung der staatlichen Institutionen und der Demokratie. Zuletzt zeigten sich jedoch die selben Trends, wie in ganz Lateinamerika zur Zeit: Die Unterwanderung der Institutionen durch Korruption durch den immensen Wachstum des öffentlichen Dienstes, teils misslungene Verstaatlichung des größten Erdölkonzerns und Drogenhandel – durch kapitalsüchtende Kräfte unterschiedlichster Herkunft. Das fand jedoch nie in einem solchen Ausmaß statt wie in Ländern, die den USA in geographischer und ideologischer Hinsicht näher sind. Nach einer folgenschweren Amtszeit des neoliberalen Mauricio Macri bis 2019, während der die Auslandsverschuldung beim IWF wieder Rekordzahlen (44 Milliarden $) erreichte, ebenso wie die Armutsraten (35,4%) und großflächiger Betrug, führt Fernández de Kirchner ihre Politik während der brutalen Corona-Pandemie als Vizepräsidentin unter Präsident Fernández fort, mit dem sie trotz des selben Namens nicht verwandt, verheiratet oder verschwägert ist.

Diese meine persönliche Lesart der argentinischen Geschichte ist nicht unumstritten, aber ich halte sie (vielleicht fälschlicherweise) für objektiv. Da jedoch besonders Konservative, Neoliberale, sowie manche einige linke Vertreter im globalen Norden die Geschichte anders lesen, halte ich meine Lesart für die eher richtige. Persönlicher Kontext: Mein Vater ist Argentinier und unter Menem ausgewandert. Er ist kein Mitglied irgendeiner Partei und hat kaum Verbindungen nach Argentinien.