06.01.2020 — Deutschland / Frankreich
Nicht vergessen! Die Deutschen arbeiten so viel, wie nie zuvor. Sie lassen Mittagspause und Feierabend ausfallen, schuften dank Smartphone und Internet immer häufiger auch am Wochenende. Diese Arbeitswut ist das Ergebnis einer Strategie der Unternehmen, die Gefühle ihrer Angestellten zu beeinflussen. Vor 100 Jahren noch gab es in Deutschland noch eine Streikkultur, wie heute in Frankreich, die uns zum Acht-Stunden-Tag gebracht haben. Heute verbringen gerade junge Menschen freiwillig über 10 Stunden im Büro, einfach weil ihnen der Job Spaß macht. Man merkt die Grenzen der eigenen Belastungsfähigkeit nicht mehr. Es reicht aber auch keine gute Arbeit mehr, sondern eine stetige Verbesserung. Um 1900 wäre in keinem Bewerbungsgespräch erwartet worden, dass der Bewerber Begeisterung für das Unternehmen zeigt und kein Arbeitnehmer wäre auf die Idee gekommen, über seine Arbeit als Selbstverwirklichung zu sprechen, denn sie war monoton, zermürbend und geisttötend. Die Arbeiterbewegung kam in Fahrt: seit 1880 verdoppelten sich die Mitgliederzahlen in den Gewerkschaften und die wiederum organisierten unglaublich große Streiks. Um 1900 fallen jedes Jahr durch Streiks 7.000.000 Arbeitstage aus, wohingegen diese Zahl heute auf 2.000.000 durch Streik ausgefallene Arbeitstage gesunken ist.