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08.01.2020 — Deutschland

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Nicht vergessen! Maßnahmen gegen die großen Streiks um 1900 von seiten der Unternehmer waren zunächst bessere Bezahlung. Doch mit mehr Geld ließ sich die streiklustige Arbeiterschaft nicht zu mehr Leistung anspornen. Im Gegenteil waren die Arbeiter sogar bereit, niedrigere Löhne in Kauf zu nehmen, wenn sich dadurch ihre Arbeitszeit verkürzt. Die Macht des Geldes wurde angezweifelt. Ein Industriearbeiter formulierte es 1912 in einem Interview so: "Lieber 20 Mark statt 36, wenn ich nur nicht jeden Tag mit Ekel zur Arbeit gehen muss!" 1918 wird dann tatsächlich der Acht-Stunden-Tag gesetzlich verankert. Jetzt erst, als zum Ende des Ersten Weltkriegs Sozialistische Umstöße in Deutschland drohen, knicken die Arbeitgeber ein. Dieser Umdenkprozess machte aus der Idee des Arbeiters als einfachen Körper, einen neuen menschlicheren. Trotzdem kommt es zu Streiks und Sabotageakten. Ab 1920 beginnt in der Weimarer Republik der Prozess der Psychologisierung: Der Arbeiter ist nun keine Arbeitskraft mehr, sondern ein sensibles Wesen, mit dem man umgehen muss. Damals so genannte Organisationswissenschaftler sagen den Arbeitgebern, wie mit der Arbeiterschaft sensibel umzugehen ist. Dazu gehören schon ganz einfach: die Lockerung des Tons und freundlicher Umgang, was damals alles andere als selbstverständlich ist. Unternehmen investieren in Gefühlsarbeit. Es wurde erstmals in der Geschichte auf die Arbeitsfreude gesetzt. Das drückte sich auch in neu entstandenen Begriffen aus, wie "Betriebsfamilie". In den 1920ern beginnt in Deutschland der Werkswohnungsbau, eine Maßnahme, durch die Arbeitsplatz und Zuhause eng aneinander rücken. Krupp errichter auf Werksgelände zum Beispiel auch Kaufhäuser mit verbilligten Produkten. Es werden Sportanlagen gebaut, Vereine gegründet (siehe Bayer Leverkusen), Betriebszeitschriften eingeführt und die Reichweite der eigenen Produktion aufgezeigt. So identifizieren sich die Arbeiter mit dem Betrieb und ihr gutes Arbeitsgefühl lässt sich als wirtschaftliche Ressource nutzbar machen.