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08.08.2020

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Nicht vergessen! (Bayern-Reise 2) St. Kilian ist wohl der wichtigste Regionalheilige Unterfrankens, ihm ist der Würzburger Dom gebaut. Das geistliche Zentrum der Fürstbischöfe liegt seit rund 1000 Jahren jenseits des Mains gegenüber der großen Festung. Die Vorgängerbauten des heutigen Doms sind beide innerhalb von 200 Jahren durch Blitzschläge zerstört werden, weswegen der aktuelle auch "der Dritte Dom" bezeichnet wird. Nur der Feuersturm durch alliierte Bombardierung 1945 setzte dem Dom schwer zu. Der Domschatz wurde damals in einer folgenschweren Fehleinschätzug nicht aus der Stadt gerettet, da Würzburg als Lazarett-Stadt galt und viele Institutionen keine Bombardierung fürchteten. So ist auch der größte Teil der Uni-Bibliothek abgebrannt. Äußerlich war der Würzburger Dom weitestgehend unbeschadet in der Trümmerwüste ihrer Heimatstadt. Schnell wurde er wieder bezugsfertig gemacht, bis im Februar 1946 das Seitenschiff samt Gewölbe einbrach, da das Notdach Nässe in die Gemäuer gelassen hatte. Statt einer barocken Inneneinrichtung besinnte sich das Domkapitel auch aus finanziellen Gründen auf die romanischen Wurzeln der Kirche zurück und entschied sich für eine schlichte Gestaltung der Kirche. Nach dem Abgang des Bischofs setzte sich jene Gruppe durch, die eine barocke Wiederherstellung des Kirchenschiffs förderte. Und so entstand die heutige einzigartig Mischung aus barocker und romanischer Verzierung. Seit 1701 begann man, das über 100m lange Gotteshaus mit Stuck zu verzieren, auch der Erbauer der Würzburger Residenz griff in die Bauarbeiten ein und schuf somit den Mythos der zwei geistlichen und weltlichen Gegenpole in der Stadt. Er veranlasste unter anderem die deutliche Absenkung des Altarraums, sodass der Abstand vom Bischof zu den Kirchgängern verringert werden sollte. Dabei wurde einer der ältesten Teile des Domes verschüttet, verschüttet mit Kulturschätzen, um die Steine nicht von zu weit herankarren zu müssen! Auch das berühmte Merowingerkreuz aus dem 12. Jahrhundert versenkten die brutalen barocken Architekten. Erst bei Aufräumarbeiten 1945 wurde dies entdeckt. Die Zerstörung des dritten Doms öffnete also in mehrerer Hinsicht neue Räume und neue Dimensionen. Auch zeitgenössische Eingriffe sind in Form und Farbe des schwarzen Marmors im Altar spürbar, die für manche Augen laienhafter Kirchgänger (z.B. meiner Augen) beißen. Das scheinbare epochale Sammelsurium des 1967 wiedereröffneten Domes birgt also eine historisch-chronische Logik.