09.04.2020
Nicht vergessen! Auf den ersten Blick scheint es verwunderlich, dass der stolze Begriff "Traditionelle Chinesische Medizin" lapidar als TCM abgekürzt wird. Doch auf den zweiten Blick muss man sich eingestehen, dass TCM weder traditionell, noch gänzlich chinesisch ist, und daher eine täuschende Abkürzung von Vorteil ist. Chinesische Heilkunst mit Pflanzenheilkunde und Akupunktur existiert seit gut 4000 Jahren, damals noch als Mischung aus Volksweisheiten, Schamanismus und Aberglaube. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen sind um 200 v.Chr. angefertigt worden. In Verbindung zur Philosophie entstand so auch das Qi, sowie das Yin-Yang-Verhältnis, das 0 auch auf den menschlichen Körper anzuwenden ist. Ab diesem Zeitpunkt in der Han-Dynastie um die Zeitenwende entwickelte sich die Heilkunst zu einer Wissenschaft, die in Hochschulen Chinas gelehrt wurde. Um das Jahr 1000 wurde dann das erste öffentliche Gesundheitssystem mit Hospitälern und Apotheken etabliert. Schon damals wurde gegen Pocken geimpft. Mit der Übernahme der politischen und wirtschaftlichen Zentren Chinas durch Kapitalisten Europas, insbesondere Großbritanniens ab 1860 ging dieses System zugrunde und die westliche Medizin wurde als Luxus-Produkt eingeführt. Die eigentliche traditionelle chinesische Medizin war erloschen. Als Mao Zedong 1949 vor der gewaltigen Aufgabe stand, 540 Millionen Chinesen zu ernähren und medizinisch zu versorgen, scheiterte er mit beidem. Da die Bevölkerung zu arm war, konnte sie sich die westliche Medizin nicht leisten. Maos Ansatz war eine Rückbesinnung auf die (kostengünstigere) chinesische Heilkunst. Da er allerdings chinesische Traditionen hasste, ließ er weitestgehend neue erfinden, die ansatzweise im Einklang mit westlicher Medizin standen: TCM war geboren. Alle metaphysischen und esoterischen Anteile wurden gestrichen, und viele andere wertvolle Anteile wurden verstümmelt. TCM umfasst also genau nicht "Traditionelle Chinesische Medizin".