11.01.2020 — USA / Deutschland
Nicht vergessen! Ab den 1960er werden die USA zum großen Vorbild in der Arbeitsgestaltung Deutschlands. Hier finden trotz großen Wachstums kaum Streiks und Arbeitsniederlegungen statt. Das Konzept des "Human Ressource Management", das damals aus den USA importiert wird, nutzen wir noch heute. Dem zufolge muss der Einzelne nicht nur mit dem Betrieb, sondern mit der ganz eigenen Arbeit emotional verbunden werden. Das Eigenbrötlerische im Menschen wird gefördert, das Individuelle. Das Ziel des HR-Management ist die Selbstverwirklichung des Individuums in seiner Arbeit. Spaß, Leidenschaft, Autonomie und Freiheit gehören heute noch zu den Grundbausteinen der modernen westlichen Arbeitswelt. Das ist auch für die Bevölkerung außerhalb des europäischen Kulturkreises in erster Sicht sehr attraktiv, nutzt aber eben auch jenen großen Konzernen, die von Büroarbeit leben. Diese Logik der positiven Gefühle ist hoch emotionalisiert. Immer mehr Menschen sind bereit, sich auf diese Logik aus Challenges und Persönlichkeitswachstum einzulassen. Spätestens ab den 1970er Jahren setzt sich dieses Konzept in Deutschland durch. Das entscheidende ist, dass der Arbeitnehmer sich selber heutzutage gar nicht mehr glauben muss. Er muss gar nicht von diesem Konzept überzeugt sein. Es reicht schon, dass der Arbeitgeber und die Kollegen das angebliche Wachstum der eigenen Person kommentieren, wahrnehmen und entlohnen. Heute ist jedem jungen Menschen klar, dass er in einem Vorstellungsgespräch die eigene Leidenschaft fürs Arbeiten vermitteln muss. Identifikation mit den Produkten gehört dazu. Wenn sie das nicht vermitteln, kommt es zu beruflichen Nachteilen.