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12.01.2020 — Deutschland

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Nicht vergessen! Gegen Freude an der Arbeit wende ich nicht per se etwas ein. Aber die Spaßlogik hat ihren Preis: Je emotionaler die Rhetorik der Arbeitgeber, desto bedrohter werden hart umkämpfte, konkrete Absicherungen. Das zeigte der Blick auf die letzten 120 Jahre. Ab den 1970er Jahren nimmt die Produktivität der Arbeitnehmer zu, nach einigen Zahlen hat sie sich verdoppelt. Doch im selben Zeitraum sind die Reallöhne nicht gestiegen, sondern gesunken. Die Glücksgefühle, die die Arbeit angeblich anbietet, werden inzwischen als neue Währung und in der Form auch als Lohnersatz verstanden. Wer an einem Acht-Stunden-Tag in einem Job einfach nur die Menge Geld verdienen will, um sich sein Leben finanzieren zu können, der hat schlechte Chancen. Es ist ein neuer Typ des Arbeitnehmers entstanden, der als Unternehmer für seine eigene Arbeitskraft auftritt, um daraus Kapital zu schlagen. Mit anderen Worten: die Zahl der Selbstausbeuter nimmt immer mehr zu. Selbstausbeutung wird belohnt und durch Home Office unterstützt. Die Idee der Selbstverwirklichung hat unser Selbstbild geprägt. Spaß und Überforderung wurden zu den beiden Seiten der selben Medallie. Es ist ein schlechter Deal, der sich auch in Zahlen spiegelt: 60% der unter-30-jährigen in Deutschland arbeiten in prekären Verhältnissen, obwohl die eigene Alterarmut vielen klar ist. Die Konsequenzen dieser neuen Normalität sind überall in jeder Gesellschaftsnische sichtbar. Eine Konsequenz ist etwa, dass die Lebensstandards derjeniger, die jetzt den Arbeits- und Ausbildungsmarkt betreten aller Wahrscheinlichkeit nach schlechter sein werden, als die ihrer Eltern. Und es ist auch eine besondere Herausforderung für die jungen Generationen mit der Voraussicht ins eigene Leben zu starten, dass die Lebensstandards ihrer Kinder ebenso schlechter sein werden, wie die ihrer Eltern, Großeltern und je nach Ausmaß sogar der Urgroßeltern. Erst allmählich beginnen wir, diese Problematik zu thematisieren.