13.04.2020 — Welt
Nicht vergessen! Den entscheidenden Schritt zu einer wissenschaftlichen Auffassung der Frage nach der Entstehung der Erde tat Anaximander von Milet, ein Schüler des Thales, der in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts v.Chr. die erste allgemeine Weltkarte entworfen hat. Anaximander ließ aus einem unendlichen und ewigen Urstoff unter dem Einfluss einer bewegenden Kraft das Warme und das Kalte, und aus deren Mischung das Flüssige hervorgehen, das wieder Erde, Luft und Feuer absonderte. Die Gestirne bildeten sich aus Feuer und Luft. Die Erde schwebte frei in der Mitte der kugelförmigen Welt und wurde in dieser Stellung durch den allseitig gleichen Abstand von der umgebenden Himmelskugel festgehalten - ein Verständnis von Gravitation! Sie stellte eine kreisförmige Platte von mäßiger Dicke dar, deren Oberfläche ursprünglich vollständig mit Wasser überdeckt gewesen war. Die Verdunstung des Wassers unter dem Einfluss der Sonne ließ aber die Wassermenge mehr und mehr schwinden, sodass schließlich das feste Land wie eine Insel aus dem Wasser auftauchte. Das jetzige Meer wäre also nur der salzige Überrest der einstigen allbeherrschenden Wasserfluten. Das war der Auftakt für die Untersuchung der Kosmogonie, der Entstehung der Welt. Erstmals gab es nicht bloß Schöpfungsgeschichten, die Teil einer Religion waren, und oft im Widerspruch zueinander standen, sondern einen koherenten Wissenschaftsansatz, der zunächst unabhängig von irdischen Machtgefügen aus Fürsten und Priestern war.