14.08.2020
Nicht vergessen! (Bayern-Reise 8) Die Jungfernfahrt der ersten Lokomotive Deutschlands, die legendäre "Adler" von Nürnberg nach Fürth dauerte 1835 nur neun Minuten. Doch das Spektakel war groß und Soldaten mussten bis zu 20.000 Schaulustige von den Schienen fernhalten. Neun Wagen mit einer Platzzahl von 200 ließen sich an die kleine Hightech-Lokomotive anhängen, die im englischen Newcastle Upon Tyne fabriziert wurde. Auch der Lokführer, William Wilson war Engländer und blieb nach Vollziehung seines Auftrags wegen der Liebe in Nürnberg. Der offizielle Name der Bahn war "Ludwigs-Eisenbahn" und die Stationen in Nürnberg, wie in Fürth hießen beidesamt "Ludwigsbahnhof", benannt nach dem bayerischen König Ludwig I., der von der neumodischen Eisenbahn eigentlich nicht wirklich angetan war. So blieb er auch bei der Eröffnung der Bahnhöfe weg. Eher waren es fränkische Großhandelskaufleute, die zur Verwirklichung des Projekts beitrugen. Sie wollten den damals schon bestehenden Pendlerverkehr zwischen den beiden Städten auf der Fürther Chaussee minimieren. Die dazugehörige Eisenbahngesellschaft war als Aktiengesellschaft organisiert und fuhr von Tag Eins an Profite ein. Die 20% Dividende für die Anleger im ersten Jahr hat wohl maßgeblich dazu beigetragen, dass auch in anderen deutschen Städten Eisenbahngesellschaften entstanden sind. Miteinander verbunden wurden diese Strecken allerdings noch nicht. Erst das Abtragen von Hügeln, Berg-Durchbrüche, Dammbau und Rodungsarbeiten ermöglichten der Bahn die deutschlandweite Verbindung. Der gesamte Bautechnische Bereich erlebte durch den Eisenbahnbau eine enorme Form der Spezialisierung und Wissensbildung. Um 1840 gab es schon 550km Gleise, 1860 15.000km. Das Kutscherwesen ging an den Haupt- und Nebenbahnen zugrunde. Währen der Adler noch mit 30km/h fuhr, brachten die Züge 40 Jahre später bis zu 80km/h auf die Schienen.