20.07.2020 — Kaukasus / Deutschland / Georgien
Nicht vergessen! Derzeit befinden sich die fünf höchsten Wolkenkratzer Europas in den russischen Megacitys Sankt Petersburg und Moskau. 2021 wird sich mit dem Achmat-Tower (435m) ein weiterer Wolkenkratzer aus der südrussischen Republik Tschetschenien in diese Top-Liste einreihen. Die tschetschnische Stadt Grosny wird somit eine der wenigen Städte mit einem Wolkenkratzer sein, die unter einer Millionen Einwohner hat. Die Stadt im Süden Russlands wurde 1818 als Festung gegründet und hatte etwa 100 Jahre später 100.000 Einwohner. Doch während der Zaren-Herrschaft lebten fast ausschließlich Russen und Ukrainer in der Stadt. Tschetschenen machten nur 2% der Stadtbevölkerung aus und besiedelten das Umland bis hoch in den Kaukasus. Während der Sowjetunion stieg bis 1989 der Anteil der Tschetschenen auf 30% und der der Russen fiel auf 50%. Während des Zweiten Weltkriegs hatte die muslimische Minderheit der Tschetschenen in Teilen mit Nazi-Deutschland kollaboriert. Stalin wendete Kollektivbestrafung an und deportierte sie daraufhin zusammen mit Russlanddeutschen in kasachische Gulags. Erst nach 1956 konnten die Tschetschenen zurückkehren. Nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 erklärte Tschetschenien die Unabhängigkeit seines Landes, wie es auch Georgien, Armenien und Aserbaidschan im Südkaukasus getan hatten. 1994 intervernierte Russland und der Erste Tschetschenien-Krieg brach aus. An ihm waren viele Nationalitäten beteiligt und viele Intentionen geknüpft: Ukrainische Rechtsextreme kämpften auf der selben Seite mit arabischen Dschihadisten und Neonazis gegen russische Freischärler. Durch den tagelangen Artillerie-Beschuss und die Luftangriffe auf die Hauptstadt Grosny über zwei Monate hinweg starben 25.000 Menschen und die Stadt wurde zerstört. Die Einwohnerzahl halbierte sich auf 200.000, viele Nicht-Tschetschenen zogen ab. 1995 endete der Krieg durch eine prominente Geiselnahme zugunsten Tschetscheniens. 1996 wurde der Krieg fortgeführt mit schweren Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nach drei Jahren indirekter Kriegsführung wurde der offene Krieg 1999 wieder aufgenommen. Damals hatten Tschetschnische Milizen das Nachbarland Dagestan überfallen und Terrorgruppen in Westrussland wohl Anschläge verübt. Bis 2009 starben erneut 50.000-80.000 Menschen. 2002 waren 95% der Bewohner Grosnys ethnische Tschetschenen. Heute regiert in Grosny ein russlandfreundlicher Machthaber, der den geopolitischen Interessen Russlands in der Kaukasusregion militärisch, politisch und ideologisch Nachdruck verleiht. In beiden Kriegen wurde die Stadt sehr zerstört, sodass auf den Ruinen der alten Sowjet-Stadt eine moderne Metropole nach dem Vorbild der Zentren am Golf von Persien entstehen sollte. Zentral ist der sufistische Glaube in Tschetschenien, der Teil des Islams ist. In Grosny steht die große Achmat-Ramsan Kadyrow-Moschee, die nach dem Vater des aktuellen Machthabers benannt ist. Das entsprechende Geld wurde entsprechend beschafft. Neben besagter Korruption und politisch motivierter Fördergelder profitiert die machthabende Elite vom Erdölexport.