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21.04.2022 — Deutschland / Vietnam

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Völkermord gestern und heute (9/12) 2.2 Protestbewegungen Im West-Deutschland der Studentenproteste rund um „1968“ fand eine persönliche und eine analytische Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten statt. Da, wie oben ausgeführt, die Berichterstattung über Biafra häufig Bezug auf diese Verbrechen nahm, kann die These formuliert werden, dass entsprechende Schlüsselwörter, wie „Völkermord“ und „Juden“ auch in Schriftstücken west-deutscher Gruppen gefunden werden können und dass dieses Framing die Position dieser Gruppen beeinflusst hat. Laut Heerten waren „die Menschen, die sich für Biafra engagierten, nicht Teil der Neuen Linken, (…) Biafra wurde als eine Art Gegen-Vietnam, als dezidiert nicht-revolutionäre Vision eines häufig christlichen, tendenziell konservativen Dritte-Welt-Aktivismus etabliert". Auch laut dem Empathie-Historiker Florian Hannig fand die Biafra-Hilfe in „der breiten gesellschaftlichen Mitte“ statt. In den folgenden Kapiteln werde ich anhand einiger Beispiele darstellen, ob es in „der Neuen Linken“ eine Auseinandersetzung mit Biafra gab. Während die meisten mir vorliegenden Quellen aus Norddeutschland, Westberlin und vereinzelt aus Nordbaden stammen, so kam die extremste Protesthandlung aus München. Die pazifistische Gruppe Internationale Studentische Kriegsdienstgegner drohte im Sommer 1968, in Gedenken an die Kriegsopfer von Biafra und Vietnam öffentlich einen Schäferhund zu grillen. In oberflächlichen Analysen der Protestbewegungen wird der Krieg in Biafra häufig in eine Reihe mit dem Vietnam-Krieg gestellt, nimmt dabei jedoch in den meisten Fällen die sekundäre Position ein. Dies geschieht häufig in Retrospektive, kam jedoch auch in zeitgenössischen Debatten zum Ausdruck. So suggeriert Theodor W. Adorno in seinem Brief an Herbert Marcuse im Mai 1969 beispielsweise, dass die studentische Solidarität mit Vietnam und Biafra nicht aus den Grauen der dortigen Geschehnisse entstehe, sondern aus linkem Faschismus. Die Toten von Biafra könnten aus dieser Aussage folgend schlicht gut als Symbol für linke Politik missbraucht werden und würden aus diesen „technokratischen“ Beweggründen im Fokus der Proteste stehen. Gegen die Toten durch den Kampf der Viet Cong, also einer linken Guerilla, so Adorno weiter, gäbe es schließlich keine Proteste. Er verdreht hier für sein Argument die Faktenlage, da die Biafraner doch selber Opfer der eher als links beschriebenen, nigerianischen Regierung waren.

Quellen

  1. Bpbwww.bpb.de
    https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/nigeria-2021/337816/der-biafra-krieg-als-globales-medien-und-protestereignis/
  2. Werkstattgeschichtewerkstattgeschichte.de
    https://werkstattgeschichte.de/wp-content/uploads/2017/02/WG68_065-077_HANNIG_MITLEID.pdf
  3. Bpbwww.bpb.de
    https://www.bpb.de/themen/zeit-kulturgeschichte/68er-bewegung/51795/ein-direkter-weg-von-der-spassguerilla-zum-terrorismus
  4. Blogs · Soas · Acblogs.soas.ac.uk
    https://blogs.soas.ac.uk/lsmd/files/2016/01/NLR-Adorno-and-Marcuse-letters-on-student-movement.pdf