23.05.2020 — Nigeria / Niger / Libyen
Nicht vergessen! 1982 kehrte der ehemalige Anführer Biafras Ojukwu 49 jährig aus seinem Exil nach Nigeria zurück und schloss sich der Partei des Fulani-Präsidenten Shagari, seines alten Feindes an. Viele Igbo hatten den Frontwechsel übelgenommen und bei den Senatswahlen 1982 gegen seine Partei gewählt. Die Wahlen waren überschattet von Korruptions- und Wahlfälschungsvorwürfen, die letzten Endes vom Gerichtshof in Lagos zu Gunsten Shagaris und somit Ojukwus entschieden wurde. Im Februar 1983 hatte Nigeria, schon damals stärkste Wirtschaftsmacht Subsahara-Afrikas und bevölkerungsreichstes Land Zahlungsunfähigkeit erreicht, da sie den durch die Weltbank vermittelten Gläubigern seine Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte. Das lag daran, dass die Fördermenge des Erdöls um mehr als die Hälfte auf unter einer Millionen Barrel am Tag gesunken war, da die Organisation erdölexportierender Länder pleite ging. Doch Nigeria wies die Schuld den drei Millionen ausländischen Gastarbeiter zu, die monatlich 450 Millionen Euro in ihre Herkunftsländer schickten. Auch wurde ihnen zur Last gelegt, Einbrecherbanden in den großen Städten zu bilden. Sie kamen aus den Nachbarländern Nigerias, mit einer Millionen insbesondere aus Niger, das in tief in Bürgerkrieg versandet und von Libyen annektiert worden war. Die Gastarbeiter arbeiteten in sogenannten "schmutzigen" Berufen, Ghanaer aber besser ausgebildet auch in besseren Arbeitsplätzen. Binnen 14 Tagen mussten die drei Millionen Menschen Nigeria verlassen, ohne dass die Organisation Afrikanischer Staaten, die UN oder Nachbarländer sich dazu kritisch äußerten, aus Furcht vor den mächtigen nigerianischen Öl-Kalifen. Diese politisch herbeigeführte Tragödie führte zur größten Völkerwanderung der jüngeren Geschichte Afrikas. Da die meisten Gastarbeiter mittellos waren, zogen sie in Gruppen von 100.000 im Schrittempo auf die Grenzen zu. Mindestens 400 Menschen verhungerten auf ihrem Weg, auch weil den Gastarbeitern ihr gesamtes Vermögen abgenommen wurde. Zöllner und Reisbeamte nahmen den Vertriebenen ihr letztes Geld für eine sichere Überfahrt ab. Wer nicht ging, wurde bei brutalen Polizei-Razzias in Hotels, Privathäusern und Slums festgenommen, wer dabei nicht gefangen wurde musste miterleben, wie seine Immobilien von Läden bis zu ganzen Elendsvierteln in Flammen aufgingen. Tatsächlich war eine Folge für Nigeria, dass sehr viel Sicherheitspersonal, wie Nachtwächter vertrieben wurden, wodurch es zu einer extremen Zunahme der Einbruchsserien kam. Auch sonst leidete die nigerianische Wirtschaft sehr unter Shagaris Maßnahmen, da nun eine große Menge an Arbeitnehmern nicht mehr ihre Arbeit ausführten.