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24.01.2020 — Welt

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Nicht vergessen! Der Schriftsteller Pier Paolo Pasolini kam 1922 in Bologna zur Welt und fühlte sich schon in frühester Jugend wie eine Art Jesus. In seiner Karriere als Künstler stilisierte der apokalyptische Anarchist autobiographisch in jedem Werk sein Leben zur Passion Christi. Es rankt sich ein Mythos um diesen 1975 in Rom ermordeten Märtyrer der Gesellschaft: Unbestechlichkeit, Vehemenz und Radikalität. Selbst die Umstände seines Todes sind umstritten. War es ein von ihm in Auftrag gegebener Mord, also Selbstmord? Oder war es ein politisch motivierter Mord am Querulanten Pasolini? 30 Jahre nach seinem Geständnis widerrufte Pasolinis Mörder seine Aussage. Die Romane und Filme Pasolinis handeln vom Leben in den römischen Vorstädten zwischen Strichern und Kleinkriminellen. Er als Homosexueller kostet auch in seinem Leben Erotik und Sexualität in ebendiesem Umfeld aus. Aufgewachsen war er auf dem Land in Friauli und hier begann auch seine Schriftstellerei, in der er das Bäuerliche zum mystischen erhebt. Er beschwört einen Kosmos jenseits von Geschichte. Aus dieser Traumzeit erwacht er noch, während er sie schafft, als er feststellt, dass das Wasser im "Dorfbrunnen der Liebe" schahl schmeckt und er stellt fest, dass wohl auch Liebe verkalkt. Wahrscheinlich ist diese Metapher mit persönlichen Rückschlägen verbunden. In Friauli engagiert er sich in Lokalpolitik, für die Autonomie der Region und gründet ein Institut zum Schutze des friaulischen Dialekts. 1947 wird er Mitglied der Kommunistischen Partei. 1949 wird er wegen seiner ausgelebten Homosexualität angezeigt. Auch wenn er den Prozess gewinnt, katapultiert dieses Verfahren ihn vollends aus seiner bukolischen Gefühlswelt. Er flieht nach Rom, wo er einen Neuanfang beginnt. In den Vorstädten findet er in der prekären Situation erneut das Ursprüngliche im Menschen. Durch seine römische Lyrik findet er Anschluss in den Literatenkreisen Roms und kann sich als Autor etablieren. Die sehr dokumentarischen Romane "Ragazzi di Vita" und "La Vita Violetta" entstehen in der Zeit und lassen den zukünftigen Filmemacher in ihm erahnen.