24.08.2020 — USA
Nicht vergessen! (Bayern-Reise 15) Ende des 18. Jahrhunderts forschte der Theaterschriftsteller Alois Sennefilder nach einer Technik, den Buchdruck deutlich billiger zu machen, um seine Werke, die jeder Verlag abgelehnt hatte, selbst zu drucken. Als ideale Druckplatten fand er den Altmühltaler Kalkschiefer in Solnhofen, der die Tinte gut an den vorgesehenen Stellen annahm, womit diese Lithographie erfunden war. Mit diesem revolutionär preiswerten Verfahren wurde die aufwendige Schriftsetzerei endgültig abgeschafft und die Bücher verloren ihre Stellung als Luxusprodukt. Außerdem konnte mit dieser Technik der Farbdruck eingeführt werden. Das bis dahin unbekannte Dorf Solnhofen erlebte durch den harten Kalkstein aus der Jura-Zeit eine besondere Blüte, weil in seiner Umgebung der beste Stein abgebaut werden konnte: er war besonders dicht, aber immernoch schwammartig, wodurch er die Tinte gut aufnehmen konnte. Selbst in den USA unterhielten solnhofer Steinbrüche und Druckplatten-Industrien eigene Verkaufsbüros. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Stadt umgeben von etlichen Steinbrüchen, wo die Fossilien zutage kamen. Selbst die Steinbrecher konnten vom Steinreichtum profitieren: Fast jeder hatte seine eigene geheizte Werkstatt. Neben Schiefer wird in der Gegend heute auch der deutlich schwerere Jura-Marmor mit Maschineneinsatz abgebaut. Auch aus ihnen wurden früher die prägenden Häuser im Altmühltal gebaut, die man Jura-Häuser nannte. Doch die graublauen, goldgelben und hellgelben Jura-Steine wurden im 20. Jahrhundert verdrängt von industriell hergestellten Ziegeln. Heute werden die wenigen übrig gebliebenen Jura-Häuser penibel restauriert und geschützt. Sehr landschaftsprägende Überbleibsel des jahrhundertelangen Abbaus sind die Schutthalden aus gelblich-braunem Stein. Im Sommer heizen sich die Steine stark auf, es gibt kaum Schatten und Wasser, wenn es regnet versickert das Wasser schnell. Doch manchmal bilden sich auch kleine kurzlebige Seen, wo z.B. die Kreuzkröte ihre Eier ablaichen kann. Auch seltene Schmetterlinge, wie der Apollo-Falter finden in dieser scheinbar kargen Geröllwüste eines ihrer letzten Refugien. Wo vor 115 Millionen Jahren eine tropische Lagune zum Grab von Urvögeln wurde, liegt heute ein manchmal paradiesisches Biotop.