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31.08.2020 — Welt

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Nicht vergessen! (Bayern-Reise 19) 4,5 Millionen Deutsche sahen 2009 den Film "Illuminati" im Kino. Der mächtige Orden, der die Fäden der Welt angeblich in den Händen halten soll ist auch in jüngster Zeit oft in Memes (Internet-Bildwitzkunst) und im Jugendsprachgebrauch aufgetaucht... Illuminati confirmed! Bei den Illuminaten handelt es sich jedoch zu aller erst um eine bayerische Sache. In Ingolstadt wurde der Orden am 01. Mai 1776 von Adam Weishaupt als ein Studentengeheimbund gegründet. Im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung hatten Geheimbünde Hochkonjunktur, wie etwa die Freimaurer mit ihren exklusiven Zeremonien. Die ingolstädter Universität war kein guter Schauplatz für aufgeklärtes Denken und für neue Gesellschaftsmodelle. Denn sie war in fester Hand des Ordens der seit Luther gegenreformatorischen Jesuiten. Das Lehrangebot war konservativ und beinhaltete weder Chemie, noch Botanik, wodurch immer weniger Studenten in die Donau-Stadt kamen und die Uni an Bedeutung verlor. Der Orden der Jesuiten war wegen verschwörerischer Tendenzen höchst umstritten und musste 1773 vom Papst Clemens XIV. verboten werden. In Ingolstadt änderte das gar nichts, das Personal blieb. Somit blieb Ingolstadt jesuitisch geprägt und der aufgeklärte Weishaupt Einzelgänger. In diesem Kontext wurde der Geheimorden der Illuminaten gegründet, um als Plattform für 5 (fünf!) aufgeklärte gleichgesinnte Studierte zu dienen. Der rationale Akademikerstammtisch wuchs zunächst nicht und übte ohne große Aufmerksamkeit seine geheimen Rituale aus. Das ist natürlich problematisch, weil der Zweck jeder Geheimgesellschaft ist, dass alle anderen wissen müssen, dass sie existieren - sonst wären sie uninteressant. Ein Grund für den anfänglichen Misserfolg der Illuminaten war der egozentrische Weishaupt selber. Grobe Kritik an seinen Mitbrüdern und eine diktatorische Selbstgefälligkeit schreckte viele Mitglieder ab. Doch der Orden war revolutionär und fand nach etwa vier Jahren ein immer größeres Publikum durch den Eintritt des berühmten Aufklärers Freiherr von Knigge. Besonders eine Idee punktete bei den jungen Studenten, die unser Bild des Ordens maßgeblich beeinflusst: die Herrschaft der fähigen Weisen über die Bevölkerung. Die Idee der Aristokratie ist bei weitem nicht neu und findet sich bereits bei Aristoteles als seine "beste" Staatsform. Ebenso wie Aristoteles lehnt Weishaupt Monarchie und Demokratie ab. Das sind jedoch ausdrücklich keine Herrschaftsfantasien, sondern theoretische Auseinandersetzungen mit den realen Umbrüchen ihrer Zeit. Diese Herrschaftsfantasien wird den Illuminaten heute unterstellt. Es gelang damals auch nicht, ein wirkliches Netzwerk aus Freidenkern zu errichten, da zu viele Adelige aus reiner Neugierde beitraten. 1784 war der Orden sehr schwach in Bayern und Thüringen vertreten. Damals griff der bayerische Kurfürst Karl Theodor durch und verbot die Illuminaten. Dadurch entstand der Mythos, der viel größer wurde, als die Illuminaten selbst es je gewesen waren. Angst vor Unterwanderung durch Geheimgesellschaften war ein zentrales Thema des späten 18. Jahrhunderts, insbesondere nach der französischen Revolution. Bis heute arbeiten Verschwörungstheoretiker mit diesem Thema. Es kann für diese Menschen eine Diagnose gestellt werden: fehlendes Geschichtsbewusstsein. Dass an vielen wichtigen Stellen der Aufklärung die selbe Symbolik vorkommt liegt am Trend der Zeit. Es liegt daran, dass diese Dinge gleichzeitig stattfanden und daher ähnlich sind. Es liegt nicht daran, dass ein langer Faden gesponnen wurde.