Nigeria / Niger / Ukraine
Meldung
Es folgten Pogrome an den Igbo in den anderen Landesteilen, die laut Assumpta „can only be compared to that of the Second World War Nazi extermination of the Jews“. Vergleiche von Igbo und Juden spielen in der Wahrnehmung des Biafra-Krieges eine wichtige Rolle und werden im Laufe dieser Textserie noch behandelt werden. Dabei lohnt es sich immer, auch Jahrzehnte nach Kriegsende, auf die Autoren oder Herausgeber solcher Vergleiche zu achten. Der eben genannte Artikel wurde von der Chukwuemeka Odumegwu Ojukwu Universtiy veröffentlicht, benannt nach General Ojukwu, dem militärischen Führer Biafras zur Zeit des Biafra-Krieges. Die Aussage, die Pogrome von 1966 in sich stellten eine „Auslöschung wie zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges“ dar, ist ein schlechter und voreingenommener Vergleich, da es im Dritten Reich neben Pogromen an Juden auch Arbeits- und Vernichtungslager gab – 1966 in Nigeria nicht. Unabhängig von der Bewertung im historischen Vergleich hatten die Massaker und andere gewaltsame Aktionen gegen Igbo 1966 zur Folge, dass etwa 30.000 Igbo getötet wurden und mindestens mehrere Hunderttausend Igbo die anderen Landesteile Nigerias verließen, um in den Südwesten zu fliehen. Während des Krieges konnten Igbo jedoch auch weiterhin in den anderen Landesteilen „unbehelligt weiter“ leben. Die Flucht und das Ankommen im Südosten Nigerias stellte für viele Igbo die Grundlage für die humanitäre Krise dar, die sich im Laufe des Krieges, gut ein Jahr später, rapide verschärfen sollte. Im Zuge des Haussa-Fulani-Gegenputsches wurde die Igbo-Region derart in neue Verwaltungseinheiten gegliedert, dass die Igbo-Elite keinen Zugriff auf die reichen, 1958 entdeckten Ölfelder im Niger-Delta hatte. Sie waren nun unter der Kontrolle anderer ethnischer Minderheiten. Auch in Biafra stellten die Igbo nämlich nicht die Mehrheit, sondern waren einzig die größte von vielen ethnischen Minderheiten. Insofern war der Biafrakrieg das „Resultat politisierter ethnischer Spannungen, die durch wirtschaftliche Faktoren verstärkt wurden“. Auf dieser sehr abstrahierten Ebene sind sich die Ausgangssituationen Nigerias und der Ukraine ein bisschen ähnlich.