20.04.2022 — Deutschland / Nigeria
Völkermord gestern und heute (8/12) 2 Deutschland als Bild und Betrachter Zu Beginn des Krieges hielten laut BBC bei einer Umfrage in West-Deutschland 80% der Befragten „Biafra“ für eine neue Zahnpasta-Sorte. Dies sollte sich im Verlauf des Krieges ändern, besonders, nachdem im Sommer 1968 zahlreiche west-deutsche Zeitschriften mit Bildern von Biafra-Kindern titelten. Die Bundesregierung setzte sich 1969 zum Ziel, 30 Millionen Mark für „Humanitäre Hilfe für Nigeria/‘Biafra‘“ zu sammeln. Dieses Ziel erreichte sie und übertraf es auf mehr als 35 Millionen Mark. In den Haushaltsjahren von 1965 bis 1981 war dies die am höchsten bezifferte singuläre humanitäre Hilfe der Bundesregierung (41f und 17f). Im Haushaltsjahr 1970 sollte die selbe Summe für „Humanitäre Hilfe für Nigeria“ gesammelt werden, doch dabei kamen nur rund 19 Millionen Mark zusammen. Außerdem stellte sich ein „Transall“-Bundeswehrflugzeug für Biafra-Hilfe zur Verfügung. West-Deutsche Institutionen werden immer wieder mit dem Biafra-Krieg in Verbindung gebracht. Aber auch Episoden aus der deutschen Geschichte werden in Analysen häufig als Vergleichspunkte herangezogen. So wird die Kriegsführung Nigerias sowohl mit dem Holocaust verglichen, als auch mit der Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Der us-amerikanische Schriftsteller Kurt Vonnegut erlebte als Kriegsgefangener die Bombardierung Dresdens mit bis zu 25.000 Toten und war in den Kriegsjahren in Biafra aktiv. Vom sozialdemokratischen finnischen Politiker und Biafra-Aktivisten Ilkka Taipale wird er zitiert, er habe in Biafra sein zweites Dresden erlebt. Allerdings ist bei Taipale fälschlicherweise von 100.000 Todesopfern in Dresden die Rede. Da nicht weiter auf die Todeszahlen in Dresden eingegangen wird, könnten die 100.000 auch bloß symbolisch für eine „sehr große Zahl“ stehen. Aber auch die nigerianische Lobby zog gewisse Parallelen zur deutschen Geschichte. Der nigerianische Informationsminister Anthony Enahoro zeigte in seinem Brief an britische Parlamentsabgeordnete zwischen dem pro-biafranischen Framing des Bürgerkrieges als einen Völkermord und der Propaganda des „Hitler-Goebbels phenomenon“ mehrere Vergleiche auf. Der ehemalige biafranische Propagandaminister Patrick Davies vollzog 1995 ebenfalls Parallelen zwischen Biafras Propaganda und der Technik Hitlers und Goebbels nach. Davies verurteilt alllerdings auch Hitlers Propaganda, da sie zur Destabilisierung, zum Sturz des legitimen Staates, zum Holocaust und zum Zweiten Weltkrieg geführt habe. Davies führt seinen Hitler-Vergleich noch weiter aus und relativiert ihn. Mao Tse Tung, Hitler und General Ojukwu hätten allesamt gleich gehabt, dass sie Soldaten gewesen seien, dass sie eine enorme Präsenz in den Medien genutzt hätten und ihnen Weisheit zugeschrieben würde. Davies zeigt aber auch einige angeblich entscheidende Unterschiede auf. General Ojukwu sei, anders als Hitler, ein Intellektueller gewesen und ähnle somit eher Mao. Außerdem sei Ojukwu nicht besonders charismatisch gewesen. Dies ist eine Form der Distanzierung von Hitler.
Quellen
- Youtubewww.youtube.comhttps://www.youtube.com/watch?v=loEMSjLfhgo
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- Sci Hub · Hkvisasci-hub.hkvisa.nethttps://sci-hub.hkvisa.net/10.1080/13623699.2017.1360464
- Zeitgeschichte Digitalzeitgeschichte-digital.dehttps://zeitgeschichte-digital.de/doks/frontdoor/deliver/index/docId/1645/file/ZF_3_2011_393_413_Heerten.pdf
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