08.08.2022 — Nigeria / Niger / Tschad
Der „Banditen“-Konflikt in Nordwest-Nigeria – Übersicht der Akteure und ihrer Politik (5/12) 3.3 Die Bundesregierung III: „Banditen“, Islamisten und Biafra Der Staat Nigeria steht vor einer Vielzahl sicherheitspolitischer Herausforderungen. Neben den „Banditen“ im Nordwesten des Landes haben islamistische Rebellionen, wie die Boko Haram oder die ISWAP (Islamic State of West Africa Province) im nordöstlichen Bundesstaat Borno, sowie Ansaru in anderen Landesteilen die Kontrolle über einige Landstriche übernommen. Boko Haram und ISWAP sind dabei nicht nur in Nigeria aktiv, sondern auch in den benachbarten Ländern der Tschadsee-Region, Niger, Tschad und Kamerun. Insgesamt konnte die islamistische Gewalt auf den Nordosten lokalisiert werden. Dass ihre drohende Ausbreitung zur Zeit versicherheitlicht wird, habe ich im vorangegangenen Kapitel analysiert. Mit der Tötung der beiden ISWAP- und Boko-Haram-Anführer Shekau und Barnawi 2021 wurden diesen beiden wichtigsten islamistischen Milizen ein großer Schaden zugefügt und seitdem kapitulierten tausende Anhängerinnen und Anhänger dieser Gruppen (2021 und 2022). Als weiteres Sicherheitsproblem betrachtet die nigerianische Bundesregierung die IPOB-Miliz (Indigenous People of Biafra) im Südosten des Landes, die für einen unabhängigen Staat Biafra kämpft. Über sie wurde in diesem Kanal bereits mehrfach berichtet. Sie greift vor allem staatliche Sicherheitskräfte an, führt also einen grundlegend anderen Kampf als die „Banditen“. Die Präsenz der IPOB wird durch die Bundesregierung durch viele Argumente versicherheitlicht. Von Interesse ist jedoch ein Narrativ des nigerianischen Informationsministers Mohammed, laut dem die Bundesregierung keinen Unterschied zwischen IPOB und „terroristischen“ „Banditen“ mache. Hierbei will die nigerianische Bundesregierung, die nigerianische Bevölkerung überzeugen, „übliches“ politisches und militärisches Vorgehen gegen „Terroristen“ gegen die IPOB anzuwenden, da sie Nigeria als „Terroristen“ bedrohen würden. Ob dies nicht vielleicht nur ein rhetorischer Kniff war und keine Politik nach sich zieht, bleibt abzuwarten und muss weitergehend erforscht werden. Wie die Gouverneure der Bundesstaaten gegen die akuten Angriffe vorgehen, ist Thema des morgigen Kapitels.
Quellen
- Acleddataacleddata.comhttps://acleddata.com/acleddatanew/wp-content/uploads/2022/02/ACLED_10Conflicts2022_Feb2022_WebPub.pdf
- Reuterswww.reuters.comhttps://www.reuters.com/world/africa/almost-6000-boko-haram-fighters-have-surrendered-nigerian-army-says-2021-09-02/
- Aa · Com · Trwww.aa.com.trhttps://www.aa.com.tr/en/africa/7-000-boko-haram-other-terrorists-surrender-in-northeast-nigeria-in-a-week/2544148
- Premiumtimesngwww.premiumtimesng.comhttps://www.premiumtimesng.com/news/headlines/491134-updated-suspected-ipob-members-attacked-164-police-facilities-killed-175-security-personnel-nigerian-govt.html
- Premiumtimesngwww.premiumtimesng.comhttps://www.premiumtimesng.com/news/top-news/489144-separatists-are-terrorists-being-treated-same-way-as-bandits-nigerian-govt.html