27.12.2020 — USA / Venezuela / Kolumbien
Die großen Flüchtlingsströme aus Venezuela heraus, die das Jahr 2019 geprägt hatten, haben aufgehört und es waren bis Februar bereits eine Millionen Venezolaner aus dem Ausland zurückgekehrt (18.2). Diese Zahl ist während der Pandemie noch gewachsen, da venezolanische Flüchtlinge in Venezuela eine bessere Versorgung erwarten konnten, als im Nachbarland Kolumbien (6.4). Trotzdem nahm der Hunger auch in Venezuela zu (12.4). Als im Frühjahr die Erdölpreise einbrachen, traf das vor allem Venezuela, dessen Exporteinnahmen zu 90% aus dem Erdölverkauf stammen (14.3,18.3). Dadurch, durch den eingeschränkten Zugriff der Zentralbank auf ihr Vermögen und Sanktionen fehlte noch mehr Geld für Corona-Hilfen. Doch trotz der verhärteten Fronten im Machtkampf, schafften es Nicolás Maduro und Juan Guaidó, in der Corona-Politik zu kooperieren, wodurch kein so großes Corona-Desaster, wie in den Nachbarländern Kolumbien und Brasilien passierte (3.6). Es starben bisher nur rund 1000 Menschen. Im Zuge der Corona-Epidemie forderten US-Ökonomen die US-Regierung auf, ihre Sanktionen gegen Venezuela fallen zu lassen, um die venezolanische Bevölkerung mit Hilfsgütern versorgen zu können (22.3). Der Forderung kamen die USA auch auf Nachdruck (24.9) nicht nach. Wie in vielen lateinamerikanischen Ländern, gab es auch in Venezuela Gefängnisausschreitungen. Bei einer Revolte für mehr Essen und Kontakt zur Familie starben 46 Häftlinge (2.5). Vor den umstrittenen Parlamentswahlen Ende des Jahres wurden von rechten Milizen Anschläge auf 50.000 Wahlautomaten verübt (12.3). Für die neue Legislaturperiode wurde das Parlament vergrößert, damit auch mehr kleine Parteien dort Platz finden (6.7). Guaidós Partei wurde vom Obersten Gerichtshof von Außen komplett umgebaut, was jedoch keine Auswirkung auf die tatsächliche parteiinterne Struktur hatte. Dabei wurde Guaidó als Parteivorsitzender abgesetzt und durch einen Verbündeten Maduros ersetzt (8.7). Viele Oppositionskandidaten konnten nicht antreten, da sie die Wahl boykottierten (4.8,27.8). Guaidós Versuche, dafür die Armee auf seine Seite zu holen, scheiterten (8.9). Bei der Parlamentswahl gewann Maduros Parteiallianz GPP schließlich mit 68% (7.12), was z.B. die EU nicht anerkannte (8.12). So wie das Land das Jahr 2020 in der Schwebe begonnen hatte, schloss es es auch ab.