02.02.2021 — USA / Katar / Vereinigte Arabische Emirate
Es wurden in diesem Monat auch Konflikte gelöst. Die Katar-Blockade wurde unter reichlichem Zutun der USA beendet (4.1). Saudi Arabien, die Vereinigte Arabische Emirate und andere Länder hatten seit 2017 Einfuhren und Einreisen in ihr Nachbarland Katar wegen seiner Nähe zum Iran blockiert. Auch im Angesicht des absehbaren Endes des Erdölzeitalters, auf dem der Wohlstand der Golfmonarchien beruht, ist es für die dortigen Staaten wichtig, geordnet und nicht zerstritten diesen Weg zu gehen. Das nun unterzeichnete Stabilitätsabkommen soll genau das bewirken (5.1). Selbst der Iran stimmte unmittelbar nach Amtsantritt Bidens den arabischen Monarchien gegenüber versöhnliche Töne an (20.1).
Zurück in die Sahel-Zone. Denn auch hier gab es ein Friedensabkommen in Mali. In Mali gibt es derzeit drei größere Konfliktebenen: Internationaler Terror und der internationale Krieg gegen den Terror, Konflikte um die politische Führung des Landes und interkommunale Konflikte zwischen Gruppen von Zivilisten. Das politische Klima in Mali wird nach dem Putsch im August immer angespannter, weil die Stadtbevölkerung von den neuen Machthabern frustriert ist (21.1) und die Opposition sich erneut formiert, um einen Gegenangriff zu planen (2.1). Auf der interkommunalen Ebene jedoch scheint es zwischen den Volksgruppen der Dogon und Fulbe kleine, lokal begrenzte Fortschritte zu geben. Fulbe leben in der gesamten Sahelzone und die Dogon überwiegend in Mali und Burkina Faso. Zwischen den beiden Gruppen finden immer wieder Massaker und Überfälle mit vielen Toten statt (23.3.19,10.6.19,19.6.19,15.2,20.4). Der Konflikt zwischen diesen beiden Volksgruppen wird in den Medien oft auf zwei Wegen erklärt. Einerseits handle sich um einen Ressourcenkampf zwischen den nomadisch lebenden Viehwirten (Fulbe) und den sesshaften Landwirten (Dogon) um Land und Wasser. Andererseits werde der Konflikt dadurch verschärft, dass die Dogon den Fulbe vorwerfen, islamistische Milizen zu unterstützen, wie etwa die Boko Haram. Die führen in der gesamten Region ihren Dschihad, der sowohl Dogon, als auch Fulbe hart trifft. Dabei sind islamistische Fulbe-Milizen, zum Beispiel in der Zentralafrikanische Republik, tatsächlich häufig Täter (24.5.19). Diese beiden Dinge stimmen. Doch es gibt noch einen weiteren, viel tiefgründigeren Grund für den Konflikt zwischen den Dogon und den Fulbe. In großen Teilen der ländlichen Gebiete Afrikas, in der Sahel-Zone genau so wie in Ostafrika, ist noch immer eine Wirtschaftsweise vertreten, die für den Gemeinschaftsbedarf Landwirtschaft betreibt. Das heißt, dass es keine Marktwirtschaft gibt, in der die Märkte sich selbst regulieren. Stattdessen dominiert als Wirtschaftsprinzip die Verteilung von zum Beispiel Lebensmitteln. Dieses Wirtschaftssystem funktioniert wegen verschiedener geographischer Umstände automatisch arbeitsteilig. Dafür benötigt es keinen Vertrag, kein Geld und nicht mal den klassischen Tauschhandel. In solchen Wirtschaftssystemen, die früher auf der ganzen Welt verbreitet waren, entwickeln sich stattdessen gesellschaftliche Etiketten und Hierarchien. Die Etikette erlaubt es Volksgruppe A, etwas von Volksgruppe B zu bekommen, ohne etwas direkt zurückgeben zu müssen. Stattdessen verpflichtet die Etikette Volksgruppe A, der Volksgruppe B etwas zu geben, wann immer sie wollen. Dieser Handel findet unabhängig von der Zeit statt und basiert somit nicht auf Tauschlogik. Dieses System funktioniert natürlich nur, wenn das Überleben beider Volksgruppen gesichert ist. Die Dogon und Fulbe wirtschaften auf eine ähnliche Art und Weise, wie in dem Muster-Beispiel beschrieben. Dabei ist zwischen den Land- und Viehwirten jedoch eine Ungleichheit entstanden, weil die bodenbebauenden Dogon schwerer arbeiten als die viehwirtschaftenden Fulbe und dadurch ein natürliches Ungleichgewicht entsteht. Ein Dogon-Mann muss mehr Arbeit in Getreide und Bier stecken, als ein Fulbe-Mann in eine Ziege oder ein Rind. Über die Jahrhunderte haben sich die Dogon so, und durch äußere Einflüsse, zu etwas wie Feudalherren entwickelt.