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02.08.2020 — Welt / Deutschland

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Schöne Illusion Als zu Beginn der Krise die Regierungen der Welt zu Solidarität aufriefen, meinten sie keine Nachbarschaftshilfe. Sie meinten die Solidarität des Bürgers zum Staat als Volkszusammenfassung, auch wenn der Bürger durch die kommende Wirtschaftskrise Geld verliert. Die richtige Antwort auf die kommende (2020? 2021? 2022?) Wirtschaftskrise in Deutschland wäre der Solidarstaat. Bei der letzten Wirtschaftskrise in den 1930ern war die Lösung eine andere. Die Starken Schultern unseres Landes müssen den Lastenausgleich schaffen, sodass nicht die Schwächsten der Gesellschaft am stärksten von der Krise betroffen werden. Dazu braucht es solidarische Schultern und mutige Politiker, die dies fordern. Sollte das nicht geschehen, wird das Vertrauen der Bürger in den Staat zerbröseln und die Existenz der Bundesrepublik steht - durch die Radikalisierung der Mitte - auf dem Spiel... und die Geschichte wiederholt sich.

Better Safe Than Sorry Doch es wäre fadenscheinig, die radikalisierende Reaktion allein mit dem Präventions-Paradox (Unverständnis gegenüber Maßnahmen) erklären zu wollen, die Rolle der Medien gilt es auch zu hinterfragen. Wie schon 2015 verhielten sich die Medien und das Internet (beide hier als Subjekte) wie eine Kopie des Bundes-Presseamts; sie hinterfragten sehr wenig. Weder die Bundesregierung, noch Herr Drosten als populärer Vertreter der Wissenschaft konnten jedoch mit Sicherheit sagen, welche Auswirkungen das Virus haben wird. Das ist zu Beginn der natürliche Zustand der Wissenschaft. Darauf basiert Wissenschaftskritik: Wissenschaft ist unabhängig und liegt im Verlauf der Forschung notgedrungen viel falsch. Die Wissenschaft als einzige Instanz hat die Politik entpolitisiert und das hat dazu geführt, dass keine Debatte entstehen konnte. Es war ein Missverständnis der Politik, der Medien und Bevölkerung, dass Wissenschaft exakte Verhaltensvorgaben geben könnte. Doch durch die unisone Berichterstattung dieser Kurzwahrheiten als Faktum vergrößerte sich der Druck auf die Bundesregierung und sie musste handeln. So sind zweifelhafte Kahlschläge in der Wirtschaft geschehen, radikale Maßnahmen für das soziale Miteinander, Panikschürung und etwa Diabolisierung von jenen Mitmenschen, die sich dem Maskentragen entziehen. Die Polarisierung (in „dem Virus schädlich“ und „das Virus nährend“) schlug deswegen fehl, weil sich die Pole ständig bewegten, gar um 180° und sie sich gegenseitig den Blick aufs Ganze verbauten. Die meisten von uns werden verwundert den Kopf geschüttelt haben, als unser Gegenpol Donald Trump seine Sorge zum Ausdruck brachte, der Kampf gegen den Virus könne mehr Schaden anrichten, als der Virus selbst. Inzwischen wird ersichtlich, dass dies gut der Fall sein könnte. Die Moral, die ich aus dem gestrigen Abschnitt „Aggression“, meinen Beobachtungen des „Widerstands 2020“ und der Medienkritik ziehe ist, dass Polarisierung in „richtig/gut“ und „böse/schlecht“, sowie eine Vereinfachung, Vereindeutigung und Entpolitisierung zu Entscheidungen mit weitreichenden Folgen führen. Diese Folgen scheinen weitergedacht entweder in totalitärer Kulturrevolution, totalitär-autoritärer Staatsordnung oder totalitärer Gleichschaltung der Medien zu münden.