06.05.2020 — Benin / Nigeria / Kano
Nicht vergessen! Mit ihrem unternehmerischen Geist trieb es viele Igbo in die großen Städte der neuen Republik, auch außerhalb des Südostens. In Lagos und Benin (Stadt in Nigeria) im Westen und in Kano und Kaduna im Norden gab es bald eine beachtliche Igbo-Minderheit, die wirtschaftlich erfolgreich war. Insbesondere im Norden fühlte sich die Bevölkerung und die Elite bald mehr als unangenehm mit dem Erfolg, den die zugewanderten Igbo hatten. 1964 formulierte der Premierminister der nördlichen Region Sir Ahmadu Bello seine Abneigung gegen Igbo so: "Die Igbos sind a-moralische Menschen, deren Ziel es ist, über alle andere zu herrschen. Sie wollen alles monopolisieren." Diesen Vorwurf kennen wir aus der europäischen Geschichte gegen die Juden. Es war die feindliche Gesinnung des Nordens, die dazu führte, dass ein Bürgerkrieg sich zu entwickeln begann. 1966 waren die Nigerianer der politischen Elite wegen ihres ausschweifenden Lebensstils und mangelndem Verständnis für die Erwartungen der Bevölkerung verdrüssig. Gerüchte über Wahlbetrug, Korruption und schmutzige Deals mit ausländischen Konzernen bewahrheiteten sich mit der Zeit. Mit dem Rückhalt der südlichen Bevölkerung versuchte der Igbo-Major Chukwuma Kaduna Nzeogwu den "Putsch gegen die fünf Höchsten", den Präsidenten, den Premierminister und die drei Premiers der drei Landesteile (darunter jener Sir Bello). Doch tatsächlich tötete er nur Angehörige der Fulani und der Yoruba, während der Premier des Südostens, sowie der Präsident Nnamdi Azikwe überlebten, die beide Igbo waren. Der Putsch wurde durch einen vierten Igbo niedergeschlagen, dem General-Major Johnson Aguiyi-Ironsi, der kurzzeitig zum Interims-Präsidenten Nigerias erklärt wurde. Obwohl sowohl Putschist, alsauch Gegenputschist Igbo waren, verbreitete sich im Norden sehr schnell die nicht ganz unhaltbare Verschwörungstheorie, dass das alles der Plan von Aguiyi-Ironsi gewesen sei, um die Fulani von der Vorherrschaft in Nigeria zu verdrängen.