09.03.2020 — Deutschland
Nicht vergessen! Die Städte der Indus-Kultur funktionierten nur mit einem Schriftsystem. Es hatte rund 4000 Siegel, die wohl für Worte oder Wortteile standen, gelöst ist es bis heute nicht. Harappa und Mohenjo Daro hatten neben einer einheitlichen Schrift auch ein einheitliches System von Längenmaßen und Gewichten, das auf dem Dezimalsystem beruhte. Der Handel zwischen diesen beiden Städten blühte und auch gemeinsam traten sie immer wieder Handelsexpeditionen in ferne Länder an. So wurden etwa indische (südasiatische) Schmuckstücke mit bedeutenden Siegeln in Mesopotamien gefunden. Mesopotamien handelte mit dem Industal Holz, Kupfer, Gold, Silber, Karneol und Baumwolle. Die Zwillingsstädte beherrschten ihr Reich wahrscheinlich in strenger Theokratie. Schriftliche Belege dafür und dagegen gibt es zwar, doch können wir sie nicht entschlüsseln. Das Reich umfasste um 2900 v.Chr. bei seiner größten Ausdehnung ein Gebiet von 1,3 Millionen km² (ca. 3× so groß wie Deutschland). Natürlich entstanden dabei auch neue wichtige Städte, die Harappa und Mohenjo Daro nachempfunden waren, wie Kot Diji bei Mohenjo Daro, Amri weiter südlich und Kalibangan im Nordosten. Neben dem Industal entwickelte sich innerhalb des Reiches auch die Region um die große Halbinsel Kathiawar (ca. Größe Irlands) mit seiner Hafenstadt Lothal zu einem politischen Schwerpunkt. Die südlichsten Ausläufer des Reichs sind die Städte Malwan und Daimabad 150km weiter südlich. Im Norden reichte der Einfluss der Indus-Kultur bis an den Himalaya und in die Bergdörfer hinein. Die räumliche Ausdehnung in den Osten vollzog sich bis in die iranische Antikenstadt Sutkagen Dor. Eine ausgeprägte Wechselbeziehung in die Vorderen Orient war anfangs eine treibende Kraft für die Entwicklung der Indus-Kultur.