11.10.2019 — Australien / Welt / Europa
weil ihre Form des Glaubens nicht theistisch ist. Sie beziehen ihre Sinneswahrnehmungen in einer besonderen Art miteinander, ohne die Übersinnlichkeit zu Göttlichkeit werden zu lassen. Ein weiterer Glaubenssatz ist, dass das eigene Land der einzelnen Aborigines-Gruppen die Grundlage der Gruppen-Traumzeit ist. Das Land der anderen Gruppen wird respektiert, ist aber nicht Teil der eigenen, sondern einer fremden Traumzeit. Die verschiedenen Gruppen-Traumzeiten bilden einen einzigen langen Traumpfad. Diese geosophische Sichtweise, über Jahrtausende gibt keinen Anlass für Krieg. [23.9. 15:15] Nahuel: *Nicht vergessen!* Da die Schöpfungswesen der Aborigines jeweils Ketten von Landstrichen mit Topographie, Fauna, Flora und Menschen schufen, ist klar, dass die Geschichten in mehreren Landstrichen bekannt waren. Diese gruppeneigenen Traumzeit-Geschichten beeinflussten auch die Varianten anderer Gruppen und ergänzten sich in einem regen Austausch. Das fand auf Traumpfaden statt, Kultstätten verschiedener Gruppen, die in ganz Australien zu finden sind. Diese Traumpfade stellen das Gesamtwissen über die Traumzeit dar, für die Zeremonien entstanden. Doch selbst das ausgeprägteste soziale Gedächtnis der Welt kommt nicht ohne bildliche Stütze aus. Und so finden sich Kultstätten mit stilisierten Gedächnisstützen, die "gelesen" werden mussten. Ausgewählte Träger in der Gruppe konnten diese Zeichen lesen und unternahmen bis in die Neuzeit einmal in ihrem Leben lange Wanderungen. Dabei hinterließen sie bei jedem Besuch die aus aller Welt bekannten Negativabdrücke ihrer Hände mit Pigment. Da man nicht genau sagen kann, in was für einem zeitlichen Abstand diese Graffiti tatsächlich angelegt wurden, dienen die Kultstätten nicht als Kalender. Aber 12.000 Negativhandabdrücke in einer abgelegenen Höhle sprechen für eine längere Phase der Aufrechterhaltung dieser Traumpfad-Kultur. Man sollte jedoch die Wanderrouten nicht mit dem Begriff der Traumpfade gleichsetzen. Traumpfade können auch in der Erde und in der Luft verlaufen, sie sind keine Strecken sondern Zusammenhänge. [24.9. 17:08] Nahuel: *Nicht vergessen!* Innerhalb der Aborigines-Gruppen gab es zwei herausragende Personen, die die Traumzeit gut kannten und mit ihr in Verbindung treten konnten. Der "Medizinmann" konnte Pflanzen zur Genesung von Krankheiten empfehlen, aber auch seelische Hintergründe von Krankheiten erkennen. Der "Rechtsmann" kannte viele Geschichten aus der Traumzeit, die er als Parabeln für die Rechtsprechung verwendete. Wissen teilte sich ein in das für Frauen und das für Männer. Für das andere Geschlecht ist es tabu. 1996 lenkte der Plan der australischen Regierung, eine Brücke zwischen dem Festland und der Hindmarsh-Insel zu bauen, den Blick der Öffentlichkeit auf die Bedeutung der Geheimhaltung. Aus Sicht der Aborigines tangierte der Plan heilige Stätten, was nur die Frauen etwas anging. Der männliche Minister durfte also davon keine Kenntnis erlangen. So schrieben Frauen, die das Wissen hatten, Details an eine weibliche Person. Der Brief wurde jedoch dem Minister vorgelegt, was einen bitteren Streit nach sich zog. [25.9. 10:46] Nahuel: *Nicht vergessen!* Cro-Magnon-Menschen gibt es seit 41.000 Jahren in der Altsteinzeit und wenn man es nicht so genau nimmt, sind wir selber Cro-Magnon-Menschen. Denn der Cro-Magnon-Mensch ist der _Homo sapiens_ der letzten Kaltzeit, dem Pleistozän. Mit ihm hatten die Neandertaler in Europa noch regen Kontakt und von ihm stammen die berühmten Felsmalereien und Felsritzungen. Geographisch war er in den eisfreien Gebieten des glazialen Europas verbreitet, das damals weitesgehend einer baumlosen Tundra glich. Sie lebten von der Jagd an Land und von der Fischerei, sowie in eher kleinen Teilen von dem Sammeln von pflanzlicher Nahrung. Um den Cro-Magnon-Menschen von uns heutigen Europäern abzugrenzen verwendet man in der Übergangszeit von der Alt- zur Jungsteinzeit, das ja mit dem Ende der pleistozänen Eiszeit einher geht, die Bezeichnung _Homo sapiens sapiens_ für den moderneren Menschen. [26.9. 15:35] Nahuel: *Nicht vergessen!* Männer sind.