Seite wird geladen …
NACHRICHTENvon Gestern und Heute
← Nachrichten

13.09.2021 — Afghanistan / Iran / Helmand

1Meldungen
10Quellen
5Orte
3 minLesezeit
Meldung 01 von 1

Das Wasser und die Flucht aus Afghanistan 3/3.

Iran Der Iran ist auf das Wasser des Flusses Hilmand (Helmand) angewiesen, weil er die iranische Seenregion Hamun speist, die eine hohe Bevölkerungsdichte hat. Der Fluss versorgt die Region mit Wasser zum Trinken, für die Landwirtschaft und Fischerei. Der afghanische Kajakai-Damm hat bereits seit 1953 zu einer geringeren Durchflussmenge geführt und ein gemeinsames Abkommen zur Wasserverteilung wurde nicht eingehalten. Der Bau eines weiteren Damms, der Kamal Khan, der erst 2021 fertiggestellt wurde, gibt der Taliban nun noch mehr Einfluss auf den Wasserfluss des Hilmand. Ironischerweise hatte die Taliban zuvor versucht, den Dammbau zu sabotieren – angeblich mit iranischer Hilfe. Aber nun mit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat sie auch mehr Macht gegenüber dem Iran. Vor 20 Jahren hatten die Taliban bereits die Dämme kontrolliert und während einer Trockenzeit fast vollständig geschlossen, was zu einer schweren Dürre in der iranischen Hamun-Region geführt hatte. Ghanis Pläne zur Ausbeutung der Wasser- und Energieressourcen des Hilmand könnten sich auch unter der Herrschaft der Taliban fortsetzen. Afghanistan muss derzeit 80% seiner Energie importieren und könnte durch Dämme doppelt so viel Land für Bewirtschaftung urbar machen, wie aktuell – gute Anlässe für Staudammprojekte. Ob sie realisierbar sind, ist jedoch stark davon abhängig, ob die Taliban solche Pläne finanzieren können. Das hängt auch von dem angestrebten Verhältnis der Taliban zum Iran ab. Der schiitische Iran ist der sunnitischen Taliban gegenüber grundsätzlich abgeneigt. Doch im Mittleren O wirken derzeit mächtigere Kräfte als Religionskonflikte und da das iranische Regime seine Souveränität nicht aus dem Volkswillen bezieht, könnte es mit der im Iran verhassten Taliban kooperieren. Für die flüchtenden Afghaninnen und Afghanen führt der Weg aus Afghanistan in den Iran und weiter in die Türkei häufig durch die Hamun-Region: Hier verläuft eine Fernstraße, hier sind kriminelle Banden etabliert, die als Menschenhändler Fluchthelfer sind und hier sind genügend natürliche Ressourcen. Die Grenzen werden zwar kontrolliert, aber es kommt derzeit eine unbestimmte Anzahl von Afghaninnen und Afghanen durch. Da der Weg illegal ist, sind die Flüchtenden gezwungen, weiter in Richtung Europa zu flüchten. Diese Route ist nicht sicher, aber derzeit fast die einzig mögliche, was wohl auch in Zukunft so bleiben wird. Trotzdem: Je unsicherer die Route wird, desto weniger Menschen werden die Flucht wagen. Die Taliban wollen das erreichen, weil sie so viele Menschen wie möglich an der der Ausreise aus Afghanistan behindern wollen. Eine weitere Verringerung der Flussmenge des Hilmand wäre für die Taliban also nicht nur eine Möglichkeit, Druck auf den Iran auszuüben, sondern auch die eigene Bevölkerung von der Flucht abzuhalten. Andererseits deutet aktuell einiges auf eine neutrale bis positive Beziehung zwischen dem Iran und der Taliban hin: Es gab keine Kämpfe zwischen den Armeen und der Iran begrüßte den US-Abzug. Der Iran liefert inzwischen wieder sein Gas und sein Erdöl nach Afghanistan, nachdem die Taliban 70% der Einfuhrzölle gestrichen haben. Auch der Iran hat kein Interesse an größeren Fluchtbewegungen aus Afghanistan, auch wenn er offiziell als einziges Nachbarland vorsorglich Fluchtcamps errichtet hat (15.8.21). Dort können Flüchtende kurzzeitig ankommen, aber sie werden von Soldaten an der Weiterreise behindert und wieder zurückgeführt, sobald sich die Situation in Afghanistan entspannt. Aber der Iran will seine Grenzen nicht nur vor Flüchtenden schützen, sondern auch vor dem Drogenhandel, den die Taliban ausnutzen könnten, um sich zu finanzieren. Afghanistan produziert 84% des weltweiten Opiums, viel Heroin und Meth. Für afghanische Drogen auf dem Weg nach Europa ist der Iran ein wichtiges Transit- und Abnehmerland. Die Taliban haben also ein Interesse an der wirtschaftlichen Ausbeutung des Irans durch den Drogenhandel – ein eindeutiger Konfliktpunkt, der wiederum um die Verkehrswege der Hamun-Region kreist.

Quellen

  1. Atlanticcouncilwww.atlanticcouncil.org
    https://www.atlanticcouncil.org/wp-content/uploads/2016/09/Water_Dispute_Escalating_between_Iran_and_Afghanistan_web_0830.pdf
  2. Iranintliranintl.com
    https://iranintl.com/en/iran-in-brief/iran-afghanistan-water-conflict-reignites-kamal-khan-dam
  3. Cacianalystwww.cacianalyst.org
    https://www.cacianalyst.org/publications/analytical-articles/item/13443-afghanistan-clashes-with-iran-over-dam-construction.html
  4. Atlanticcouncilwww.atlanticcouncil.org
    https://www.atlanticcouncil.org/wp-content/uploads/2016/09/Water_Dispute_Escalating_between_Iran_and_Afghanistan_web_0830.pdf
  5. Atlanticcouncilwww.atlanticcouncil.org
    https://www.atlanticcouncil.org/wp-content/uploads/2016/09/Water_Dispute_Escalating_between_Iran_and_Afghanistan_web_0830.pdf
  6. Zeitwww.zeit.de
    https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-08/iran-afghanistan-taliban-diplomatische-beziehung-is-usa
  7. The Guardianwww.theguardian.com
    https://www.theguardian.com/world/2021/aug/26/hostile-journey-awaits-afghans-fleeing-taliban-treacherous-route-people-smugglers
  8. Tehrantimeswww.tehrantimes.com
    https://www.tehrantimes.com/news/464100/No-clashes-between-Taliban-Iran-border-guards-security-sources
  9. Timesofisraelwww.timesofisrael.com
    https://www.timesofisrael.com/irans-raisi-defeat-of-us-in-afghanistan-is-chance-for-lasting-peace/
  10. Reuterswww.reuters.com
    https://www.reuters.com/world/middle-east/iran-resumes-fuel-exports-afghanistan-after-taliban-request-union-says-2021-08-23/
  11. Dwwww.dw.com
    https://www.dw.com/en/afghanistan-taliban-offensive-iran/a-58846254
  12. Dwwww.dw.com
    https://www.dw.com/en/afghanistan-taliban-offensive-iran/a-58846254
  13. Bbcwww.bbc.com
    https://www.bbc.com/news/world-asia-55048147
  14. Zeitwww.zeit.de
    https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-08/iran-afghanistan-taliban-diplomatische-beziehung-is-usa/seite-2