26.04.2020 — Welt / Trinidad / Karibik
Aus der Welt gefallen 5.
Die freien Sklaven von Trinidad Im Jahr 1620 war jede noch so kleine Insel in der Karibik für die spanische Krone wertvoller, als die meisten Fürstentümer der Alten Welt. Auf Zuckerrohrplantagen und in Bergwerken arbeiteten sich afrikanische Sklaven für den exzessiven Wohlstand ihrer Herren und des europäischen Mutterlandes zu Tode. Die meisten Sklaven wurden dreckiger behandelt als die Schweine, an deren Fleisch die Spanier fett wurden. Doch es gab Fälle, zu denen die Herren in ihrem letzten Willen einigen Sklaven die Freiheit schenkten. Viel zu oft wurde dieser letzte Wille nicht erfüllt, da sich die Erben nicht um die Rechte der Sklaven scherten. Die jedoch, die ihre Freiheit bekamen, durften nicht für einen Lohn arbeiten, weil das Schwarzen in den spanischen Kolonien verboten war. So mussten sie in den Gassen um Almosen betteln oder wurden in den Wäldern von wilden Hunden zerrissen. In Trinidad aber vermehrte sich die Zahl jener Sklaven, die ihre Freiheit lebten so sehr durch einige wohltätige Herren, die ihre Schulden nicht mehr bezahlen konnten, dass der Gouverneur das Verbot erließ weitere Sklaven zu befreien. Um die Häfen und Gassen nun von den Schwarzen zu befreien wurde ihnen das Sumpfgebiet Palo Verde zugewiesen. In diesem Morast-Ghetto bauten die Schwarzen Häuser auf Stangen und schon bald wurden erste Kinder geboren. Nach drei Jahren war die Gemeinschaft auf eine Größe von 1100 angewachsen und es gab einen Altar und ein Taufbecken, einen kleinen Markt und viele Farmen, die auf trockengelegten Grundstücken anbauten. Unter allen Farmern tat sich besonders Alfonso Jiménez hervor, der selber noch aus der Costa del Oro verschleppt worden war und seinen wahren Namen nicht mehr kannte. Er baute bald Baumwolle an, das er an die Engländer verkaufte, die sich nicht darum scherten, dass ihnen ein Schwarzer dieses wertvolle Gut beschuf. Es war immer wieder zu Zwischenfällen mit den Spaniern gekommen. Mal entführten sie Frauen aus Palo Verde, mal steckten sie die Felder in Brand. Doch die freien Sklaven von Trinidad wussten, dass jede gewaltvolle Antwort, sei sie noch so gerecht, tausendmal in ihrer Kraft auf sie zurückfallen würde. Sie mussten den Fluch über sich ergehen lassen. Eines Nachts jedoch drang der Verbrecher Fransicso de Juarta in die Hütte des Alfonso Jiménez ein und stürzte sich auf seine Tochter. Als Jimenez von den Rufen und Schreien geweckt wurde, nahm er sein Messer, das ihm von einem Engländer geschenkt worden war und stürzte durch die Tür. Die Engländer hatten ihm ihren Schutz versprochen, sollte der Baumwolle etwas zustoßen. Der Verbrecher beachtete ihn und seine Frau gar nicht, die entsetzt um das Bett standen. Alfonso stürzte sich vor Wut auf den Mann und stach im Glauben auf englische Hilfe zu, und stach wieder zu und wieder, bis jeder Tropfen Blut des Francisco de Juarta seinen Körper verlassen hatte. Seine Kumpane hatte den Mord beobachtet und war sofort in die Stadt gelaufen. Auch in der Siedlung der freien Sklaven verbreitete sich die Kunde schnell und ihre Bewohner bewaffneten sich. Kurz nach Morgengrauen traf die Armee betrunkener Seemänner und anderer Delinquenten in Palo Verde ein. Mit ihren Säbeln und Kanonen massakrierten sie die Männer, Frauen, Kinder und Alte, brannten alles nieder. Nur rund 60 Bewohnern Palo Verdes gelang die Flucht. Der Gouverneur, der das Massaker aus sicherer Entfernung beobachtet hatte erklärte sie noch am selben Tag für vogelfrei. Und so fand man nach nur zwei Monaten den letzten freien Sklaven von Trinidad erschlagen im Hafenbecken treiben.