27.04.2020 — Afrika / Nigeria
Nicht vergessen! Das Volk der Igbo (gesprochen als "Ibo") lebt im Südosten Nigerias und ist überwiegend christlich. Der Genetik, sowie ihrer Sprache nach stammen sie aus dem östlichen Subsahara-Afrika. Ihr Werdegang ist nicht so gut dokumentiert, wie der der Fulani, denn sie standen wenig im Kontakt zu einer benachbarten Hochkultur. Die Igbo-Gesellschaft steht im klaren Kontrast zu der der Fulani. Erste staatenähnliche Gebilde lassen sich ab dem 10. Jahrhundert erahnen, da es damals zum ersten Mal zu Begräbnissen im größeren Stil kam, die auf eine Führungspersönlichkeit hinweisen. Mit Eze Nri Ìfikuánim ist uns der traditionell erste legendäre König eines Königreiches Nri bekannt, den Historiker in die Mitte des 13. Jahrhunderts verorten. Mit ihm kam auch die Igbo-Religion mit ihren sieben Tabus auf, die Menschen, Tiere, Objekte, Zeit, Verhalten, Sprache und Orte betrafen. Zwar lebte nicht jeder Igbo unter dem Einfluss des Königreichs von Nri, doch sie alle mussten die sieben Tabus befolgen. Die traditionelle politische Ordnung war republikanisch und quasi-demokratisch, in jedem Fall dezentralisiert. Der Rat der Ältesten, in den Igbo-Männer nur durch eigene Verdienste kamen war egalitär zu den Königen und Priestern. Der eigene Verdienst definierte sich nur dadurch, wie sehr man befähigt war, gesellschaftliche Probleme zu lösen; Respekt bekamen diejenigen, die sich ihren Wohlstand selbst erarbeitet hatten, statt ihn zu erben. Das war der innere Antrieb für Höchstleistungen, wie die Erfindung eines eigenen Kalendersystems, eines bis heute verbreiteten Banksystems Isusu und auch eines populären Spiels Okwe, das auf Mathematik beruht und uns Europäern als Warri bekannt ist. Rechtliche Streitereien wurden von anwaltsähnlichen Vertretern ausgefochten, Bronze wurde ab dem 9. Jahrhundert verwendet. Durch diesen kulturellen Hintergrund sind auch heute noch viele Industrieriesen in Nigeria aus Igbo-Abstammung. Die Igbo hatten eine stabile Gesellschaft und konnten mit gut Neuerungen umgehen. Doch als 1434 die Portugiesen an ihren Küsten landeten, hatten sie den Kolonialmächten keine militärische Kraft entgegenzusetzen.