03.08.2021 — Indien / Nigeria / Kenia
Indien
Indien baut angeblich geheime Marine-Basis auf Mauritius-Insel Agaléga; Bewohner+ befürchten Vertreibung, wie auf Chagos (16.5).
Indien baut angeblich geheime Marine-Basis auf Mauritius-Insel Agaléga; Bewohner+ befürchten Vertreibung, wie auf Chagos (16.5).
[playgamez.io.
](https://de.wikipedia.org/wiki/.io)Dass europäische Staaten ihre Verbrechen offen sichtlich begehen, kommt nicht mehr sehr häufig vor. Immer wieder müssen private europäische Konzerne einspringen, um dieses Vermächtnis fortzuführen. Anders verhält es sich mit der illegalen britischen Besetzung des Chagos-Archipels, mitten im Indischen Ozean. Alle die mal Spiele wie agar.io gespielt haben, haben sich mitschuldig gemacht.
Das Chagos-Archipel wurde seit 1814 von den britischen Kolonialherren als Teil der britischen Kolonie Mauritius kolonisiert. Von 1965 bis 1968 musste Großbritannien den afrikanischen Inselstaat Mauritius nach internationalem Druck entkolonisieren. Das Chagos-Archipel, das zu Mauritius gehört, wurde kurz zuvor von Großbritannien herausgelöst und zu einer neuen Kolonie gemacht – dem British Indian Ocean Territory. Denn damals stand Chagos im Zentrum einer umfassenden Reorganisation der britischen und US-amerikanischen Marinestützpunkte im Indischen Ozean. Die USA gründeten auf der größten Chagos-Insel, der Diego-García-Insel, ihren geheimen Militärstützpunkt. Von hier aus errichteten die USA eine militärische Drohkulisse gegen den Sowjet-Block, gegen das zum Kommunismus tendierende Indien, ab 1979 gegen den Iran und gegen den Irak. Die Insel wurde 1966 von Großbritannien für 50 Jahre an die USA verpachtet und die Bevölkerung wurde vertrieben. Im ersten Schritt der Vertreibung wurde den Chagossianerinnen und Chagossianern eine Urlaubsreise nach Mauritius angeboten, von der sie dann nicht mehr zurück durften. Diejenigen, die die „Urlaubsreise“ nicht angetreten waren wurden ausgehungert und schließlich mit Gewalt in die Laderäume von Schiffen gepfercht und deportiert. In Mauritius und auf den Seychellen wurden sie als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse behandelt. Alle Dokumente, die die Existenz der chagossianischen Bevölkerung beweisen konnten wurden vernichtet oder beschlagnahmt.
Erst im Jahr 2000 kam es zum Prozess, bei dem der britische Staat wegen der Deportation seiner eigenen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger verurteilt wurde: Die 8000 Chagossianerinnen und Chagossianer sollten laut dem des Hohen Gerichts zu London nach Chagos zurückkehren. Tendenziell war die britische Regierung dazu bereit. Doch mit den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte der Stützpunkt der USA erneut höchsten strategischen Wert, um von dort die Kriege im Irak, Afghanistan und gegen den IS zu koordinieren. 2008 entschied das House of Lords gegen die Rückführung der Chagosianerinnen und Chagossianer nach Chagos, da sie 1972 bereits eine Entschädigungszahlung erhalten hätten. Da der Europäische Gerichtshof sich nicht für zuständig erachtet und der Internationale Strafgerichtshof nicht für Verbrechen zuständig ist, die vor 2002 geschahen, ist in Europa somit das letzte Wort gesprochen. 2016, als die 50-Jahres-Frist ablief nannte ein britischer Staatsminister die Vertreibung einen „Fehler“. Zeitgleich aber wurde der Pachtvertrag mit den USA um 20 Jahre verlängert.
Seit 2019 kam wieder Bewegung in den Fall, als der Internationale Gerichtshof entschied, dass der Entkolonialisierungs-Prozess von Mauritius nicht rechtskonform verlaufen war und Mauritius daher ein Anrecht auf das Chagos-Archipel habe. Im selben Jahr übernahm die UN diese Ansicht. Mauritius erwägte sogar eine Klage wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit. In diesem Kontext sind die jüngsten Urteile des Internationalen Seegerichtshofs (30.1) und des Weltpostvereins (16.5) zu sehen. An der territorialen Lage wird sich wohl in naher Zukunft nichts ändern, da Diego García nun eine strategisch wichtige Rolle gegen China einnimmt.
Soviel also zu den Völkerrechtsverbrechen Großbritanniens. Was haben nun die.io-Games damit zu tun? Die Länder-Domain des British Indian Ocean Territory ist.io. IO steht im Englischen für Input/Output und ist daher für Open Source Projekte und Spiele derzeit sehr beliebt. Die Domain wird von einem britischen Unternehmen verkauft, das u.a. auch die maledivische Internetzensur verwaltet.
Weltpostverein wird Briefmarken des illegal britisch besetzten Chagos-Archipels (19.10) ungültig machen.
Internationaler Seegerichtshof spricht britisches Chagos-Archipel (19.10) samt US-Basis Mauritius zu.
Mauritius' Premierminister Jugnauth (8.11.19) besteht auf Urteil des Internationalen Strafgerichtshofs, nach dem UK das Chagos-Archipel (3.5) völkerrechtswidrig besetzt hält und an US-Militär verpachtet.
UK zahlt nicht die den Chagossianern 2016 versprochenen 40Mio£ Entschädigung aus, obwohl UK Chagos-Archipel (22.11.19,27.12.19) im indischen Ozean um 1970 völkerrechtswidrig geräumt hat, besetzt hält und an US-Militär verpachtet.
Mauritius erwägt Klage gegen UK wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit, da es völkerrechtswidrig das Chagos-Archipel (22.11) besetzt hält.
UK lässt Frist der UN-Resolution verstreichen, illegal besetztes Chagos-Archipel (22.5) an Mauritius zurückzugeben.