05.10.2020 — Argentinien / Lateinamerika
Zu dieser Zeit veränderte sich der Peronismus im Untergrund in sehr unterschiedliche Richtungen: Ein Teil der Gewerkschaftlichen radikalisierte sich gen Links, der eher bürgerliche Teil gen Rechts und insgesamt fand eine Demokratisierung der Bewegung statt. Als 1973 Perón aus seinem Exil zurückkehrte entlud sich dieser Gegensatz am Hauptstadtflughafen Ezeiza: Rechte Peronisten massakrieren bis zu 200 linke Peronisten, woraufhin sie zueinander in offene Opposition gingen. Perón hingegen – erneut Präsident – schlug sich auf die Seite der Rechtsperonisten und die rechtsperonistischen Paramilitärs verfolgten die linksperonistische Opposition. Als im Jahr darauf Perón an einem Herzinfarkt starb, übernahm seine Frau Isabel, die den Rechtsruck fortführte. 1976 kam es erneut zum Militärputsch und bis 1983 zu einer brutalen Militärdiktatur und die Unterdrückung der politischen Kultur und der Linken.
Neo-Peronismus Im sogenannten Epochenjahr 1989 wurde der neo-Peronist Carlos Menem zum Präsidenten von Argentinien gewählt. Er gewann die Wahl mit den Versprechen sozialer Besserungen, inszenierte sich also als Links-Peronist. Doch schon kurz nach Amtsantritt begann er eine neoliberale Politik: Verkauf der Infrastruktur und der natürlichen Ressourcen an ausländische Unternehmen. Menem wurde dazu vom Internationaler Währungsfonds gezwungen, bei dem Argentinien riesige Schulden hatte. In den Jahrzehnten seit 1955 hatten die vielen Regierungswechsel auch viele Neuausrichtungen der Wirtschaft zur Folge, sowie eine langsame Übernahme reicher Industriezweige (in ganz Lateinamerika) durch US-Konzerne. Dadurch kam es zu mehreren Wirtschafts- und Sozialkrisen, u.a. durch die Hyperinflation. Menem versuchte diese aufzuhalten, indem er den argentinische Peso an den US-Dollar band, wodurch sich die Inflation kurz beruhigte. Doch sie entsprach nicht der Realwirtschaft und das Wirtschaftswachstum verflog schnell, da argentinische Produkte auf dem Weltmarkt zu teuer wurden und ihre Konkurrenzfähigkeit verloren. Unter Menem stieg die (seit der Militärdiktatur bereits hohe) Auslandsverschuldung auf 55% des BIP. All diese Faktoren zusammen führten dazu, dass der Peso Anfang der 2000er Jahre massiv an Wert verlor und Argentinien den Staatsbankrott erklären musste. Die Arbeitslosigkeit betrug 50%, die Massen verarmten. Die natürliche Reaktion der spekulierenden Anleger war Kapitalflucht und das Aufkaufen des Dollars. 2001 war der IWF die weltweit einzige Institution, die Argentinien noch Geld verlieh – zu einem hohen Preis. Noch im selben Jahr kündigten zwei kurzlebige peronistische Regierungen dem IWF und der Weltbank die Rückzahlung der Kredite auf.