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01.05.2020 — Nigeria / Sokoto / Europa

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Nicht vergessen! Die Beziehung der drei Volksgruppen in Nigeria waren vor der Kolonisation durch die Briten so gut wie nie von Kriegen geprägt. Die Yoruba und die Igbo hatten untereinander ein gutes Verhältnis. Rivalität bestand einzig zwischen ihrem Süden und dem Norden der Fulani. Das Königreich Oyo etwa hatte viele Jahrzehnte unter dschihadistischen Angriffen des Sokoto-Kalifats unter Sultan Uthman Dan Fodio zu leiden. Als Reaktion darauf versklavten die Yoruba Bewohner des Kalifats. Doch dieser Zwischenfall hatte geopolitische Gründe und blieb einzigartig, bis die Briten kamen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte der britische Kolonialbeamte Frederick Lugard die Theorie der Indirect Rule und wendete sie ab 1914 als Generalgouverneur von Nordnigeria an. Die Indirect Rule sieht die Ausnutzung traditioneller Herrschaftsstrukturen vor, also auch deren Erhaltung. Kolonien wurden nicht mehr als Kolonien bezeichnet, sondern als Protektorate. Aus dieser höchst wirksamen Fremdherrschaftsform des britischen, aber auch des deutschen Kolonialreiches entwickelte sich mit der Zeit die Theorie der Softpower, die in heute mehr denn je die Weltpolitik bestimmt. Die britische Kolonialverwaltung in Nigeria erschuf den Nährboden für Koflikte zwischen Fulani, Igbo und Yoruba, um selbst als Strippenzieher Kapital aus ihren Kriegen zu schlagen. Taten sie es bis 1807 noch, um an Sklaven zu kommen, war ihr Ziel danach viel ausgeprägterer Art, auch beeinflusst durch die Machtverhältnisse in Europa - ein sehr langes Kapitel für sich. 1914 schloss besagter Lugard den Norden und den Süden Nigerias zusammen. Der Grund dafür ist einfach: Die Briten hatten im Norden bei den Fulani ein autoritäres System vorgefunden, das sie 1:1 für ihre Interessen ausnutzen konnten, im Süden jedoch waren die Menschen viel zu frei und gebildet, um (noch immer brutale) Softpower über sich ergehen zu lassen. Mit dem Zusammenschluss der beiden Landesteile konnten die Briten das Staatssystem des Nordens auf den Süden übertragen. Sie stifteten die Elite der Fulani zur Fremdherrschaft über die Igbo und Yoruba an. Ab 1914 wurden Fulani-Eliten in Schlüsselrollen der Kolonialverwaltung platziert. Die Briten mussten ihre Politik der Indirect Rule verdeckt halten, da sonst einige Fulani erbost gewesen wären, da ihr Stolz und ihre Herkunft beschädigt wären. Schon im 19. Jahrhundert hatten die Briten die idealen Strukturen im Norden Nigerias erkannt und ausgenutzt. Damals erfanden Rassenkundler eine sehr spezifischen Rassentrennung zwischen diesen Schwarzafrikanern und anderen Schwarzafrikanern, die in ganz Afrika verbreitet war. Die sowieso fingierte Rassentheorie wurde auf die Spitze getrieben, indem behauptet wurde, die Fulani seien "weißer" als die Igbo und Yoruba und daher berechtigter, Herrschaft auszuüben. Zwar sind vielleicht die Fulani insgesamt durch ihre wohl teils indische Abstammung etwas heller als etwa die Yoruba, doch man kann kein Yoruba-Individuum von einem Fulani-Individuum unterscheiden, ähnlich wie man keinen Bayern von einem Tiroler unterscheiden kann.