12.10.2022 — Westafrika / Europa / Nigeria
Im März 2022 erschien im C.H. Beck-Verlag das Buch „Brennpunkt Westafrika – Die Fluchtursachen und was Europa tun sollte“ von Olaf Bernau. Bernau ist Gründungsmitglied der transnationalen Menschenrechtsorganisation Afrique-Europe-Interact und berichtet seit 2011 intensiv aus westafrikanischen Ländern. In seinem nun erschienen Buch bringt er eine weitere Perspektive auf den Fulani-Konflikt, der Teil des „Banditen“-Konflikts ist. Wie bereits im neunten und zehnten Teil meines „Banditen“-Textes aus dem August erwähnt, behaupten Fulani-Akteure, wie die Fulani-Interessensgemeisnchaft Rube Fulbe Global Rights and Development Initiative, dass Fulani in Nigeria grundsätzlich diskriminiert werden. Der Kachalla Bello Turji spricht sogar von einem „Genozid“ an den Fulani. Auf Grundlage dieser propagandistischen Rhetorik leitet Turji dann ein Selbstverteidigungsrecht ab, also seinen Kampf gegen staatliche und seine Gewalt gegen zivile Akteure. Um den „Banditen“-Konflikt zu erklären gibt es also das Argument, dass Fulani-Aktuere ihre eigene, angeblich unterdrückte Ethnienzugehörigkeit ausnutzen, um ihren Kampf zu legitimieren. Bernau führt dieses Argument weiter: Die (halb-)nomadische Lebensform der Fulani wurde nach der Unabhängigkeit Nigerias 1960 verdrängt, da sie als „unmodern und ineffizient“ galt. Bernau weiter: „Diese Erfahrungen haben unter vielen Fulbe [französische Form von „Fulani“] einen fundamentalen Groll gestiftet und somit die Grundlage für gesamtgesellschaftliche Konflikte geschaffen“. Gleichzeitig besteht innerhalb den Fulani-Gesellschaftsstrukturen eine starke Hierarchie, die es erlaubt, dass einerseits einzelne Fulani viel Macht innehaben, wie Präsident Buhari, andererseits viele verarmte Fulani nicht. Gewaltausübende Gruppen, u.a. mächtige Fulani, rekrutieren laut Bernau „ihre Mitglieder schwerpunktmäßig unter jungen Fulbe, indem sie in ihren propagandistischen Diskursen oder Predigten die kollektiven […] Diskriminierungserfahrungen zum Klingen bringen“. Diese allgemeine Beschreibung Bernaus lässt sich auch auf die „Banditen“-Rekrutierung im Nordwesten Nigerias anwenden: Sowohl die Rhetorik Turjis, als auch der Fakt, dass, laut dem im August näher erwähnten Sozialwissenschaftler Murtala Rufa‘i, die Söhne lokaler Fulani-Eliten-Familien zu hochrangigen Turji-“Banditen“ zählen, sprechen dafür. Nicht nur, um die Konflikte besser kennenzulernen, auch um einen verständlichen und zugleich progressiven Einblick in Westafrika zu bekommen, kann ich Olaf Bernaus neue Buch „Brennpunkt Westafrika – Die Fluchtursachen und was Europa tun sollte“ empfehlen.
Quellen
- Dailytrustdailytrust.comhttps://dailytrust.com/how-i-joined-banditry-and-why-i-want-to-quit-bello-turji
- Chbeckwww.chbeck.dehttps://www.chbeck.de/bernau-brennpunkt-westafrika/product/33245328
- Chbeckwww.chbeck.dehttps://www.chbeck.de/bernau-brennpunkt-westafrika/product/33245328
- Bbcwww.bbc.comhttps://www.bbc.com/pidgin/world-59872150