20.10.2022 — USA / Haiti / Dominikanische Republik
2 Gründe für Migration und Migrationsbekämpfung Mitte August 2021 traf ein Erdbeben der Stärke 7,2 Haiti, bei dem mehr als 2200 Menschen starben. Es verschlimmerte die ohnehin bereits belastende Situation in den haitianischen Slums, die inzwischen zu einem wichtigen Drehpunkt des politischen Geschehens in Haiti geworden sind. Systematische Armut gab es in Haiti schon vor Beginn der neokolonialen Schuldknechtschaft vor über 200 Jahren, aber die Slums, die wir spätestens seit den Bildern des verheerenden Erdbebens 2010 kennen, sind in ihrer heutigen Ausprägung ein eher neues Phänomen. Die Slums entstanden vereinfacht aus zwei Gründen: 1. Das Leben in ländlichen Gebieten ist von Kargheit und Armut geprägt, das noch dazu durch die Konkurrenz von Billiglebensmitteln z.B. aus den USA erschwert wird, und 2. die Hauptstadt Port-au-Prince bietet legale und illegale Arbeitsplätze in der Dienstleistungsindustrie. Beide Trends wurden durch neoliberale Reformen unter Einfluss der USA in den 1990ern verstärkt. Die Migration vom Land in die Stadt fand vor allem in den 2000ern statt, als der Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung von 36% auf 52% enorm anstieg. 2010, als ein Großteil der neu Hinzugezogenen noch in äußerst provisorischen Behausungen lebte, tötete ein Erdbeben Hunderttausende Menschen. Während die mit Abstand meisten haitianischen Migrantinnen und Migranten also innerhalb Haitis migrieren, sind die wichtigsten internationalen Migrationsziele die USA und das einzige Nachbarland Haitis, die Dominikanische Republik. Beide Länder haben in den letzten Jahren der Migration den Kampf erklärt: Die USA bauten eine Mauer, erschweren Asylanträge und verpflichten zahlreiche zentralamerikanische Länder auf der Migrationsroute, die Migration zu stoppen, und auch die Dominikanische Republik baut derzeit eine Mauer. Das ändert nichts daran, dass Haitianerinnen und Haitianer weiterhin migrieren, allerdings unter weitaus lebensbedrohlicheren Umständen. Im September und Oktober 2021 war besonders die Ankunft tausender haitianischer Flüchtender und Migranten an der us-mexikanischen Grenze im Fokus internationaler Medienberichterstattung. 2021 migrierten 80.000 Haitianerinnen und Haitianer von Südamerika durch Panama, weiter Richtung Mexiko und USA. Dieser Trend scheint in näherer Zukunft nicht abzuebben und je mehr die Migration bekämpft wird, desto mehr ähneln die Umstände der Migration einer Flucht.
Quellen
- The Guardianwww.theguardian.comhttps://www.theguardian.com/world/2021/aug/14/haiti-struck-by-earthquake
- Al Jazeerawww.aljazeera.comhttps://www.aljazeera.com/gallery/2021/8/19/haiti-earthquake-deaths-aid-victims-les-cayes
- Youtubewww.youtube.comhttps://www.youtube.com/watch?v=P2kbliq8AUc
- Britannicawww.britannica.comhttps://www.britannica.com/place/Haiti/Housing
- Democracynowwww.democracynow.orghttps://www.democracynow.org/2016/10/11/bill_clinton_s_trade_policies_destroyed
- Esa · Unesa.un.orghttps://esa.un.org/miggmgprofiles/indicators/files/haiti.pdf
- Esa · Unesa.un.orghttps://esa.un.org/miggmgprofiles/indicators/files/haiti.pdf
- amerika21amerika21.dehttps://amerika21.de/2022/04/257440/add-usa-abkommen
- latinapresslatina-press.comhttps://latina-press.com/news/298274-dominikanische-republik-beginnt-mit-dem-bau-einer-grenzmauer-zu-haiti/
- taztaz.dehttps://taz.de/Grenze-zwischen-USA-und-Mexiko/!5802599/
- Blickpunkt Lateinamerikawww.blickpunkt-lateinamerika.dehttps://www.blickpunkt-lateinamerika.de/artikel/mexiko-neue-migrantenkarawane-in-chiapas-gestartet/
- taztaz.dehttps://taz.de/Grenze-zwischen-USA-und-Mexiko/!5802599/
- latinapresslatina-press.comhttps://latina-press.com/news/295933-panama-bereitet-sich-auf-neue-migrationswelle-vor/