16.04.2021 — Pakistan
In Kürze
3% der Welt-Ökosysteme sind intakt.
3% der Welt-Ökosysteme sind intakt.
Welt-Nahrungsmittelpreise steigen auf 7-Jahres-Hoch; Hunger durch Armut tritt überall auf der Welt auf.
Journalisten+ nehmen christliche Feiertage gerne zum Anlass so zu tun, als würde die Welt kurz stehenbleiben, für Jesus (NvGuH).
Warum Wirtschaft langweilig und unbedeutend ist.
In den letzten beiden Monats-Rückblicken, sowie dem Jahresrückblick 2020 habe ich einen Fokus auf den Globalen Süden gelegt. Ich habe dabei versucht die mannigfaltigen Konflikte miteinander zu verknüpfen, sowie wirtschaftliche, machtpolitische und gesellschaftliche Grundlagen für diese Konflikte herauszuarbeiten. Denn ein Blick in das reichste Land der Welt, die Demokratische Republik Kongo reicht, um festzustellen, dass der Kapitalismus für die Menschen offensichtlich nicht gut ist. Das darf nicht darüber hinweg täuschen, dass selbstverständlich auch in unseren Breitengraden enorme Probleme bestehen: Wir erleben die größte Vermögensumverteilung der Geschichte der Menschheit – nach oben! Aber wie konnte es dazu kommen? Ein Blick in die Nachrichten des Tages kann helfen.
Wie ich die Nachrichten jeden Abend präsentiere ist nicht ideal. Besonders in den Stichpunkten wirken sie häufig zusammenhangslos und somit für uns unbedeutend. Meine Ausführungen im Mini-Podcast füllen bestimmte Lücken, die ich für besonders wichtig halte (!Werbung!), ergeben aber naturgemäß neue Fragen. Die Internet-Artikel die den Nachrichten zugrunde liegen beantworten vielleicht einige dieser neuen Fragen, aber bei kritischem Lesen sind auch sie meist nicht vollwertig. Dass viele Nachrichten scheinbar keinen Mehrwert haben, liegt nicht nur an ihrer Präsentation, sondern auch an den Nachrichten selbst. Der Ausdruck „Die Welt ist doch komplett aus den Fugen geraten“ stimmt! Besonders Nachrichten aus den USA scheinen manchmal nicht auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden zu können (und das liegt nicht nur am Wechsel von Präsidenten). Einerseits sagt man dort, die Wirtschaft habe während Corona ihren schlimmsten Absturz erlebt und deswegen verarme die US-amerikanische Bevölkerung. 40 Millionen Menschen waren arbeitslos, 14,6 Millionen verloren während dieser Gesundheitskatastrophe ihre Gesundheitsversicherung, 19 Millionen Menschen drohte Obdachlosigkeit, 3,3 Millionen Betriebe mussten schließen, 60% der kleinen Betriebe werden nie wieder öffnen, 1/5 der Bevölkerung hat keine Ersparnisse oder lebt sogar in Schulden und eine übergroße Mehrheit ist nur ein bis zwei Monatsgehälter vom persönlichen bankrott entfernt. Andererseits hat der Staat kein Geld für die Erhöhung des Mindestlohns oder wirksame Einmal-Hilfen übrig, sondern gibt es den Reichsten der Reichen, die ohnehin während Corona reicher geworden sind. Von den ersten 2,2 Billionen Dollar Staatshilfen haben maßgeblich die Reichen profitiert. Der US-Börsenindex erreichte einen Rekordwert von 30.000 Punkten und die Milliardäre im Land sind um eine Billion Dollar reicher geworden. Selbes gilt natürlich auch für sehr viele andere Länder. Ich kann euch beruhigen: Es fühlt sich nicht nur so an, es macht tatsächlich keinen Sinn. So eine Form der unsinnigen Vermögensumverteilung hält seit nun über 10 Jahren an und in den nächsten drei Jahren erwarten wir die größte Vermögensumverteilung der Geschichte der Menschheit. Aber das findet wenig Gehör, weil viele Menschen Wirtschaft für langweilig oder zu kompliziert halten. Ohne Frage ist sie aber in den letzten 250 Jahren zu der wichtigsten Grundlage unserer Zivilisation und ihrer lebenserhaltender Systeme geworden.
Viele Menschen dieser Welt, die Macht ausüben - Politiker+, Wirtschaftsmenschen und Technologieutopisten - haben dieses vereinfachte System-Spiel ebenfalls verinnerlicht, weil sie davon profitieren. Die westlich geprägten Mächtigen dieser Welt kapitulieren ebenso wie wir vor den komplexen Zusammenhängen unserer Realität und ziehen sich zurück. Aber sie sind verantwortlich für ihre Fehltritte und Gemütlichkeitslügen. Es ist kein Zufall, dass immer mehr sehr mächtige Menschen sich nicht als Teil „des Systems“ darstellen. So kommt eine Präsidentschaft Trumps zustande, auch ein Merz, so schafft es kein Land der Welt, sich vernünftig auf die Klimakatastrophen vorzubereiten, so versagen Politik und Wirtschaft, das Leben der Menschen lebenswert zu halten. Also versuchen sie, diese einfache Utopie der gewinnmaximierenden Marktwirtschaft aufrechtzuerhalten, damit die Ordnung nicht zusammenbricht und ihr System kollabiert. Aber dieses Handeln, wie oben am Beispiel der Corona-Politik in den USA beschrieben, macht keinen Sinn und wird daher zu noch schwerwiegenderen Katastrophen führen: Bürgerkriege, Völkermorde, Faschismus. In der US-Bevölkerung besteht das Bedürfnis nach Veränderung: Dort sind inzwischen 62% der Erwachsenen mit dem Machtsystem zwischen Democrats und Republicans unzufrieden und hätten gerne eine Dritte Partei. Problematisch ist aber, dass mit dem Rückzug des Sinns aus der Macht auch ein Rückzug des Sinns aus der Opposition einhergegangen ist. Unsere sinnlose Einfach-Utopie führt zu willkürlichen Nachrichten zu sinnlosen Kriegseinsätzen oder sinnlosen Milliardeninvestitionen, und zur Willkür kann es innerhalb dieses Systems leider keine stringente Opposition geben. So nothing ever change.
Mit 10.000 Jahren ältester Korb der Welt am Toten Meer gefunden; ebenfalls 1900 Jahre alte Bibelfragmente gefunden.
Vereinigte Arabische Emirate sind am schnellsten wachsendes Steuerparadies der Welt; dort können Steuern vermieden und hinterzogen werden.
Dass in der äthiopischen Provinz Tigray die Gräuel nicht aufhören zeigt, dass sie weder an „Kriegserklärungen“, noch an die offizielle Beendigung von Kriegen gebunden ist. 80% der Bevölkerung Tigrays war im Februar von Hilfe abgeschnitten (11.2). Auch wenn es schwierig ist, in solchen Situationen Leid zueinander in Relation zu setzen, kann man doch sagen, dass insbesondere eritreische und intern-äthiopische (5.2) Vertriebene eine Hauptlast des Konfliktes tragen, da sie besonders schutzlos sind (1.2). Anfang Februar wurden etwa 20.000 eritreische Flüchtlinge vermisst (2.2) und Ende des Monats waren noch etwa 6000 obdachlos. Vergewaltigung als Kriegswaffe findet statt (12.2). Indes rufen die EU und die USA die eritreischen Truppen auf, Tigray zu verlassen (9.2) und inzwischen wurde ein grauenvolles Kriegsverbrechen Seiten Eritreas öffentlich (26.2). Es ist unglaublich, dass Eritrea und Äthiopien noch immer die eritreische Truppenpräsenz in Tigray leugnen.
In Uganda wollte der unterlegene Präsidentschaftskandidat Bobi Wine vor dem Verfassungsgericht Klage gegen das Ergebnis der Wahlen einreichen (1.2), zog jedoch wenige später seine Klage mit der Begründung zurück, das Verfassungsgericht sei voreingenommen (22.2). Vor diesem Rückzug hatte Wine mit einer US-Diplomatin über ein taktisch kluges Verhalten als Opposition gesprochen. Diese Rolle wird er wohl nun einnehmen.
Die Situation im Jemen hat sich für die Bevölkerung in Teilen verbessert, in Teilen verschlechtert. Einerseits ist humanitäre Hilfe in den von den Houthi-Miliz kontrollierten Landesteilen jetzt wieder möglich (6.2,17.2), andererseits nehmen die Kämpfe auf jemenitischem Boden wieder zu (16.2).
Nachtrag zum Januar-Rückblick 2021: Ich hatte mich im letzten Abschnitt „Mali“ für das Friedensabkommen von Koro ausgesprochen. Dabei ist mir bewusst, dass es einen sehr kleinen Raum umfasst und daher nicht seine volle Wirksamkeit entfalten kann. Außerdem hatte ich gehofft, das Abkommen durch meine argumentative Herangehensweise in den Kontext der vorangehenden Abschnitte setzen zu können. Auch wenn das Abkommen unmittelbares Leid verhindern kann, ist klar: Es ist ein Rückschritt in eine feudalere Ordnung und der grundlegende Konflikt zwischen Fulbe und Dogon ist damit nicht gelöst. Um Frieden, Sicherheit und echte Entwicklung in der Sahel-Zone möglich zu machen, braucht sie ein eigenes!, umfassendes! und modernes! Vertragskonvolut. Das ist in der Menschheitsgeschichte noch sehr selten vorgekommen, aber es ist absolut möglich und notwendig. Dann erst, wenn diese Probleme beseitigt werden, werden sich diese Gesellschaften mit den anderen brennenden Problemen unserer Zeit auseinandersetzen können: den ökologischen und sozialen Katastrophen, die die gesamte Welt heimsuchen.
Apropos Probleme unserer Zeit. Wer zäh genug war, bis hier hin zu lesen, darf morgen weniger verwirrt sein, wenn ich eine neue gender-Schreibweise anwenden werde. Dem vorangestellt möchte ich erklären, dass ich natürlich für einen politischen und gesellschaftlichen Kampf für die vollständigen Rechte eines jeden Menschen bin, unabhängig von ihrem Geschlecht. Aber an Stelle des * wird das + treten, weil ich glaube, dass es besser die allgemeine Zugehörigkeit eines jeden Menschen verdeutlicht. Das + ist relativ unbehaftet von der Gender-Diskussion und das soll es auch bleiben. Es soll allgemein alle Menschen ungeachtet ihrer Facetten einschließen, also ungeachtet Gender, Herkunft, Krankheit, Meinung, Menschenbild, Sucht, etc. Denn mir scheint es, dass in unserer zeitgenössischen Diskussion rund um Identitätspolitik die einzelnen menschlichen Facetten kategorisiert und so von den eigentlichen Trägern+ desintegriert werden. Da Menschen in unserer Welt ohnehin desintegriert sind, brauchen wir wohl eine neue Welt mit allgemeinen Rechten. Wenn wir die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte erreichen, brauchen wir keine spezifischen "Facetten"-Rechte mehr, aber es ist trotzdem allen geholfen. Das + steht für diese Allgemeinheit, es inkludiert Alle und den Anspruch, Teil dieser Alle sein zu dürfen. Ich werde das + trotzdem nur bei Substantiven verwenden, die man gendern kann (also nicht z.B. „Häftling“), weil nur bei ihnen eine hörbare grammatikalische Kategorisierung vorkommt. In den Sprachnachrichten werde ich Leser+ weiterhin als „Leserinnen und Leser“ vorlesen.