25.11.2019 — Ägypten / Indien / Pakistan
Meldung
Beile nehmen in der Menschheitsgeschichte eine exponierte Stellung ein. Das Werkzeug hat die Steinzeit erlebt, die Bronzezeit, die Eisenzeit und wird bis heute verwendet, um Holzpflöcke zu spalten. Bis zur Erfindung der Säge und der Motorsäge wurde der meiste Wald mit Beilen gerodet: vor 12.000 Jahren im Fruchtbaren Halbmond und vor 70 Jahren im Amazonasbecken. Vor 5000 Jahren jedoch entschloss sich eine Siedlungsgemeinschaft bei Canterbury in England dazu, ein bestimmtes Beil nicht zu benutzen. Zu der Zeit blühten die ersten Hochkulturen in Ägypten, Mesopotamien, Indien und Pakistan. Die dort entwickelte Form von politischer Führung, ihre Architektur, ihre Schriftsysteme und die internationalen Handelsnetze sorgten dafür, dass dort neue Fertigkeiten entstanden und neue Materialien genutzt werden konnten. Abseits der Flusstäler lebten die meisten Menschen jedoch weiterhin in Agrargemeinschaften, die weder die Chancen noch Gefahren der Städte kannten. Doch sie konnten Gebrauch machen von der Lebenswelt der ausgeprägten Handelsketten. Es entstand eine Vorliebe für das Teure und das Exotische. Das Beil aus Canterbury ist noch heute in dem geschärften Zustand, in dem es dort angekommen ist, denn man kann es gar nicht als Beil gebrauchen! Das Beil war nie dazu gedacht, genutzt zu werden, es sollte Bewunderung erwecken. Das Beil war aus grüner Jade. Das Jadebeil ist perfekt tränenförmig geschliffen und poliert. Es ist nicht aus dem üblichen Stein der britischen Inseln und Jade kommt dort nicht vor. Archäologen zerbrachen sich jahrlelang den Kopf, wo die Quelle der Jade sein könnte: die einzigen beiden bekannten Möglichkeiten waren Zentralamerika und Ostasien. Erst 2003 fand man nach einer gezielten Suche Jadevorkommen in den italienischen Alpen auf 2600m Höhe, wo eindeutig ein prähistorischer Abbau zu erkennen war. Man fand sogar die Jade-Ader, aus der das Beil hergestellt war. Der Felsblock wurde in kleinen Teilen ins Tal gebracht und dort grob in Form gebracht, damit der Käufer es zu dem Werkzeug seines Wunsches machen konnte. Der Reiseweg unseres Beils führte es nach Nordfrankreich, wo es in die Form gebracht wurde, in der es heute ist. Von dort wurde es weiter nach England verkauft. Das Beil sollte nicht in der Landschaft Spuren hinterlassen, sondern in der Gesellschaft. (Richtig schöner Satz) Heute werden auf der Welt so viele Ressourcen und Materialien verschoben, dass es uns gleich erscheint, ob in den Geräten auf denen ihr das hier ließt und ich das hier schreibe, aus allen Regionen der Welt stammen.